Lasst euch nicht belügen

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

06.02.2003

Quelle

Stuttgarter Zeitung

Der Theologe Eugen Drewermann und der Liedermacher Konstantin Wecker haben in der überfüllten Johanneskirche ein deutliches Bekenntnis gegen den Irak-Krieg abgegeben. Krieg würde Unschuldige nicht retten, sondern töten.

Von Dieter Fuchs

Die Veranstalter mussten am Dienstagabend das Publikum aufrufen, zusammenzurücken, damit die Wartenden vor der Türe noch einen Platz bekämen. Am Ende drängten sich nach Angaben des Hausherrn, Pfarrer Jürgen Weber, 1200 Gäste in der Johanneskirche am Feuersee. Auf Zusatzstühlen um den Altar, auf den Stufen zur Kanzel und stehend in den Seitengängen harrte das Publikum dreieinhalb Stunden aus, um die Plädoyers Eugen Drewermanns und Konstantin Weckers gegen einen Irak-Krieg zu hören.

"Es gibt Leute, die sagen, Bush muss nach diesem gewaltigen Aufmarsch losschlagen. Aber wer verliert in Wahrheit sein Gesicht: der, der seine Fratze mit Blut beschmiert, oder der, der Lösungen für den Frieden findet?" fragte der katholische Religionswissenschaftler und Psychologe Drewermann in die Runde. Ihm sei klar, dass die Entwaffnung und Demokratisierung des Irak nur vorgeschobene Kriegsgründe seien: "Es soll keine Chance für das Regime geben." Schon in den Fällen Vietnam und Kuwait habe man erlebt, dass die USA mit Lügen das Terrain für einen Angriff bereitet hätten. Man habe der Friedensbewegung immer wieder vorgegaukelt, es gehe um den Schutz von Unschuldigen, "aber Sanktionsmaßnahmen, durch die in den vergangenen Jahren eine Million Iraker ums Leben kamen, und ein Krieg, der unzählige Zivilisten töten würde - das ist kein Schutz Unschuldiger. Solche Maßnahmen bringen keine Demokratie. Da haben wir Deutschen Erfahrungen gemacht, die man den Amerikanern vielleicht mitteilen sollte."

Drewermann stimmte mit dem Liedermacher Konstantin Wecker und dem Vorsitzenden der veranstaltenden "Gesellschaft Kultur des Friedens", Henning Zierock, überein, dass die Deutschen geschlossen sagen müssten: "Nicht in unserem Namen, Herr Bush." Wecker, der im Anschluss noch ein paar Lieder aus seinem Repertoire spielte, rief dazu auf, die weltweiten Großdemonstrationen am 15. Februar zu nutzen, um "Zivilcourage zu zeigen". Der Liedermacher war Anfang Januar im Irak gewesen, wo das Elend der Bevölkerung den letzten Anstoß zu seinem starken politischen Engagement gegeben habe.