Sage nein!

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

16.01.2003

Quelle

n-tv

Wecker bei Maischberger
"Sage nein!"

Der Liedermacher Konstantin Wecker hat seine "Kultur-Reise" nach Bagdad mit Nachdruck verteidigt. In der n-tv Sendung "Maischberger" sagte Wecker, er sei "bewusst das Risiko eingegangen, von der Bagdader Führung instrumentalisiert zu werden". "Aber ich muss sagen, der Preis war es wert".

Er sei als "Friedenskämpfer" nach Bagdad gereist und habe dort seine Lieder gesungen, die, die er wollte und nicht wie einigen Medien berichtet, die, die Regierung zugelassen habe. Gemeinsam mit Amerikanern, Italienern und Franzosen habe er für eine "Kultur des Friedens" geworben. Ihn mache es wütend, wenn er in Deutschland nun ständig gefragt werde, ob er mit seinem Besuch die Bagdader Führung "huldigen" wollte.

"Die gleichen Leute hatten sich damals das Maul zerrissen, als ich in den 80er Jahren in der DDR gesungen habe. Auch damals hieß es, "der lässt sich von Honecker und seinen Leuten vor den Karren spannen". Ich sage ihnen, die Menschen in der DDR haben mich damals begeistert aufgenommen und sind mir bis heute dankbar, dass ich mich dieser Art von DDR-Boykott widersetzt habe. Und glauben sie mir, die Menschen im Irak brauchen intellektuelle Unterstützung, sonst verelenden sie! " Wenn das Hauptwerk des Tages darin bestehe, sich um Lebensmittel und sauberes Wasser zu sorgen, hat man keinen Kraft mehr, sich gegen einen Diktator wie Saddam Hussein aufzulehnen.

Auf die Frage von n-tv Moderatorin Sandra Maischberger, weshalb er sich in einem Luxuswagen habe chauffieren lassen und in einem Luxushotel auf Staatsrechnung logierte, meinte Wecker, dies sei lediglich Teil des offiziellen Empfangs der "internationalen Friedensdelegation" gewesen. Später sei er dann auf einen Bus umgestiegen und habe in einem einfachen Hotel gewohnt, was die Bagdader Führung verägert habe.

"Im übrigen will ich hier einmal erwähnen, dass der Luxus-Wagen natürlich ein Mercedes war. So natürlich, wie sich auch 51 deutsche Unternehmen auf der ´Bagdad-Messe´ präsentierten und dort unter strenger Achtung auf Einhaltung des Filmverbots Geschäfte mit Kriegsgewinnlern und, was ich jedoch nicht beweisen kann, wohl auch mit der Regierung des Landes machten."

Wecker, der mit einer Gruppe deutscher Friedensaktivisten vorige Woche in den Irak gereist war, berichtete auf n-tv zudem von kulturellen Begnungen, die er in der Altstadt von Bagdad hatte. Vorrangig sei er mit älteren Menschen ins Gespräch gekommen. Nicht wenige hatten auch Deutsch gesprochen; wollten sich über Beethoven, Habermas und Adorno austauschen. Das habe ihm Mut gemacht und traurig zugleich, denn auf junge Menschen sei er nur selten gestoßen. "Man kann sich sicher vorstellen warum: Die jungen Menschen werden gegenwärtig für einen neuen Krieg ausgebildet und können deshalb nicht durch die Altstadt von Bagdad schlendern. Auch für diese Leute habe ich gesungen ´Sage nein!´".Wecker habe auch erfahren und jetzt darüber berichten wollen, was es heißt, unter einem Embargo zu leben: "Es fehlt an lebenswichtigen Medikamenten, es gibt keine Mittel für eine Chemotherapie, der Strom wird rationiert, die Wasseraufbereitung fällt aus. Fast 50 Prozent der Menschen dort muss ohne sauberes Trinkwasser auskommen. Wir können uns hier in Deutschland nicht vorstellen, wie grausam dieses Embargo gegen das Land ist."

Natürlich müsse man Saddam stürzen, aber mit friedlichen Mitteln, die bei weitem noch nicht ausgeschöpft seien, so Wecker. Es gebe keine Alternative zu einem Dialog mit dem Irak. Ein Krieg dort wäre eine "ungeheure Katastrophe und ein Flächenbrand für die gesamte Region". Wenn er eine Botschaft an die deutsche Regierung richten dürfte, würde er sagen: "Stellt euch mit einem klaren Nein gegen den Krieg. Auch Überflugsrechte sind Kriegshandlungen." Man müsse jede Chance ergreifen, einen Krieg zu verhindern. "Ein Krieg würde uns zweifelsfrei zurückbomben in eine Zeit, in der das Recht des Stärkeren galt, in eine Zeit vor der Aufklärung."