Es gibt nur eine Botschaft

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

30.12.2002

Quelle

Landeszeitung Lüneburg

smc Lüneburg. Szene in einer Buchhandlung, Konstantin Wecker signiert Bücher. Ein kleiner Junge, vielleicht acht, ist der Nächste in der Warteschlange und bemerkt es nicht gleich. Seine Mutter stupst ihn an: "Träum nicht !". - "Träum doch !", kontert Wecker und lächelt die beiden an.
Im Interview erzählt der bayerische Musiker, Texter und Schriftsteller, vorrangig als treffsicherer Gesellschaftskritiker bekannt, warum er so gern mit Christian Berg zusammen Kindermusicals macht - zurzeit ist das komplett neu arrangierte "Dschungelbuch" des erfolgreichen Duos auf Deutschlandtournee. Am 8. Februar macht das Dschungel-Team Station in Lüneburg in der Nordlandhalle. Karten gibt es an der LZ-Veranstaltungskasse.
Sie sind als politischer Künstler bekannt, machen aber immer öfter Musik für Kinder. Ist das eine völlig andere Seite des Konstantin Wecker ?
Wecker: Ich unterscheide nicht, ob ich für Große oder Kleine schreibe, es gibt nur eine Botschaft, und die heißt Liebe. Natürlich stelle ich bei Kindern das Gefühl in den Vordergrund und lasse die Dinge nicht so intellektuell auf sie hereinbrechen. Aber vieles ist sowieso nur mit dem Herzen zu verstehen. Pazifismus zum Beispiel ist eine Herzenssache, denn intellektuell können Sie alles rechtfertigen. Der ganze Politwahnsinn passiert aus Gier, Vereinsamung und Entfremdung. Die einzige Chance, dagegen etwas zu bewirken, ist nicht mehr, eine neue Partei zu wählen, sondern es bei unseren Kindern ganz anders zu machen
Was heißt das konkret ?
Wecker: Es ist wichtig, Kindern die eigene Identität zu lassen, sie nicht zum Gehorsam zu erziehen, dann nehmen sie nämlich falsche Vorbilder an. Ein Beispiel: Kein Mensch würde eigentlich einen anderen töten, das liegt nicht in seiner Natur. So etwas passiert, wenn man nicht mehr selbst denkt und fühlt, sondern sich nur noch mit anderen Gesetzen, zum Beispiel denen des Militärs, identifiziert. Natürlich ist Gehorsam so weit nötig, um Kinder vor direkten Gefahren zu schützen - generell aber darf man Kinder nicht zu Gehorsam erziehen, sondern gerade zu Ungehorsam, zu zivilem Ungehorsam.
Kritisches, eigenes Denken ist häufig Ihr Thema -- Kinder können ja noch gut selbst denken . . .
Wecker: Ja, Kinder können das noch, und wir müssen sie unterstützen, um das zu bewahren. Wenn ein Kind sensibel ist, wird es leicht ausgelacht, im schlimmsten Fall passiert mehr. Aber es ist ganz wichtig, Angst zuzugeben. Bei Kindern reicht es noch sie zu leiten, wir Erwachsenen bräuchten ja fast alle eine Therapie, um noch umzu-denken.
Wenn es auf Kinder so ankommt, schreiben Sie dann bald nur noch für sie?
Wecker: Nein, nein (lacht). Die Erziehung der Eltern ist genauso wichtig -- wobei ich sie natürlich nicht erziehen will, um Gottes willen. Aber ich will ihnen Mut machen, Mut ihren eigenen Weg zu gehen, bewusst die eigenen Vorurteile aufzubrechen und Verhärtungen in sich zu entdecken.
Das "Dschungelbuch" ist schon Ihre fünfte gemeinsame Produktion mit Christian Berg. Was schätzen Sie so an ihm?
Wecker: Er ist unglaublich erfrischend und hat ein großes Talent, von Kindern auf der gleichen Ebene wahrgenommen zu werden. Wie er das macht, weiß ich nicht, da komme ich nicht dahinter, aber es macht Spaß mit ihm. Und vom Talent mit Kindern ganz abgesehen, ist er ein geborener Theatermann. Ich kenne niemanden, der so ein Kindertheater macht wie er. Außerdem sind wir gute Freunde.