Das ist der Urgrund unseres Seins

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

04.12.2002

Quelle

Stadtmagazin Gersthofer

Autor / Interwiever

Boris Braun und Sven Mesch

Stadtmagazin "gersthofer" vom 02.12.02

Das Gespräch führten Boris Braun und Sven Mesch

Am 20. Oktober machte der Musiker Konstantin Wecker mit seiner "Vaterland"-Tournee halt in der Stadthalle Gersthofen. Nach mehrjähriger - teils unfreiwilliger - Abstinenz von der Bühne scheint es Konstantin Wecker im Moment besonders Spaß zu machen. Seinen Auftritt dankten ihm die Besucher in der Stadthalle auf jeden Fall mit stehenden Ovationen.
Auch vor dem Auftritt schien Wecker gutgelaunt, aber nicht weniger entschlossen seine Ansichten kund zu tun. Was er dem gersthofer über seine Musik, die politische Lage, der heutigen Jugend und seinen Kindern zu erzählen hatte, erfahren Sie hier.

gersthofer: Sogar Studenten schreiben Aufsätze über ihre Lieder und analysieren sie. Wie muss man sich Sie beim Komponieren vorstellen? Gehen Sie eher rational vor und versuchen komplizierte Arrangements zu "erfinden" oder passiert das emotional aus dem Bauch?

Wecker: Der Beginn oder der eigentliche kreative Prozess hat überhaupt nichts mit Ratio zu tun. Das ist ganz selten. Es gibt nur ein Lied von mir, das ich bewusst aus pädagogischen Gründen geschrieben habe und das ist "Sag´ nein". Da hatte ich mir vorgenommen genau dieses Lied mit dieser Thematik zu schreiben. Und selbst da passieren Dinge, die man sich nicht erdenkt, sondern die einfach geschehen. Aber normalerweise sind alle meine Lieder entstanden, weil sie mir passiert sind und weil sie in mir waren. Ich gehe oft mit einer Textzeile ein Vierteljahr schwanger und habe keine Ahnung was ich mit der Zeile anfange. Oftmals sind es auch Zeilen von anderen. Ich habe auch schon von großen Dichtern Zeilen verwendet. Irgendwann schreibt es sich dann in einem selbst. In manchen Zeiten geballt und in anderen Zeiten - die sind dann sehr schrecklich - da schreibt sich eben nichts.

gersthofer: Kommt bei Ihnen zuerst die Musik oder der Text?

Wecker: Die Musik ist bei mir zu 90 Prozent immer eine Vertonung des Textes. Es gibt ja sehr viele Leute, vor allem aus dem Popbereich, ich glaube auch Grönemeyer, die zuerst die Musik machen und dann den Text. Das ist bei mir unvorstellbar. Weil ich ja den Text wirklich vertonen will. Ich muss ja für ein Lied wie "Hexeneinmaleins" eine völlig andere Musik haben, wie für ein Liebeslied. Ich habe aber oft schon zum Text musikalische Zeilen im Kopf. Eine Idee von der Musik habe ich also schon, aber der erste Schritt ist ein intensiveres Vertonen des Textes. Beim Arrangement geht es dann ein bisschen ins Fieseln hinein.

gersthofer: Da wird also dann auch konstruiert?

Wecker: Da wird dann konstruiert. Oftmals machen wir es auch so - vor allem jetzt mit den jungen Musikern - dass wir einiges im Studio zusammen machen.

gersthofer: Ihre Lieder sind oft sehr leidenschaftlich und es scheint so, als ob die Musik ein Ventil für Sie wäre diese Leidenschaft und Energie rauszulassen. Was macht aber jemand, dem dieses Ventil, nämlich Musik machen zu können, fehlt?

Wecker: Der wird vielleicht zum Gewalttäter (lacht). Nein, ich weiß es nicht. Das ist durchaus möglich. Ich habe schon gemerkt, dass im Laufe der Jahre ein großes Aggressionspotenzial bei mir da war. Das ist gar keine Frage. So ist es bei den meisten jungen Menschen oder auch älteren. Das habe ich sicher mit der Musik gut kompensieren können. Ich möchte es aber noch ein bisschen philosophischer betrachten. Wenn man die Chance zur Kreativität hat, das heißt, wenn einem Dinge einfallen, die man sich nicht erdenkt, wie wir es vorhin besprochen haben. Sondern, die aus einer anderen Ebene des Bewusstseins kommen, dann hat man ja eine ganz wunderbare Richtschnur. Man hat mir früher immer vorgeworfen, ich wäre nicht gleich mit meinen Liedern. Das ist aber gar nicht möglich. Ich kann gar nicht so gescheit leben, wie meine Lieder manchmal sind. Denn dieses Wissen, das in den Texten passiert, das ist ein Wissen, dass man in sich trägt, aber eigentlich noch gar nicht so richtig verarbeitet hat. Ich sehe das schon ein bisschen spirituell. Gerade bei Gedichten und der Poesie. Warum sind Poeten immer wieder über die Jahrhunderte hinweg in der Lage gewesen Dinge zu sprechen, die die Wissenschaft noch gar nicht erahnt hatte? Diese Wahrheit, die manchmal in der Poesie ist, muss eben aus einer anderen Quelle kommen. Das ist die Kreativität, mit der man diese Quelle anzapfen kann. Das gelingt ja eigentlich allen Menschen. Dem einen passiert es im Tanz, dem anderen passiert es vielleicht in stillen Momenten beim Spazieren. Nur meistens verdecken wir das. Und dann gibt es eben solche, die die Begabung haben dies mit Musik oder mit Worten auszudrücken. Aber ich bin mir sicher, dies ist eine Quelle, die uns allen offen steht. Die Frage ist, wie zapfen wir sie an?

gersthofer: Sie glauben also, dass es in jedem liegt?

Wecker: Natürlich. In jedem Menschen. Das ist der Urgrund unseres Seins.

gersthofer: Wie ist es dann, gerade für junge Leute, die das auch fühlen und sich gerne ausdrücken würden, aber es nicht können? Vor allem, weil so etwas ja nicht direkt "belohnt" wird, da man beispielsweise zu Anfang ja auch kein Geld damit verdient.

Wecker: Das ist überhaupt ein Problem für die jungen Leute, weil unsere Gesellschaft in infamer Weise das Geldverdienen und den Erfolg in einen so unverhältnismäßigen Vordergrund gestellt hat. Diese Gesellschaft ist völlig verrückt. Wir haben die Werte umgedreht. Anstatt zu erlernen, wie wir eine innere Freude entwickeln können, erlernen wir einzig und allein, wie wir den anderen in die Rippen treten und ihn zur Seite prügeln, damit wir einem Erfolg hinterher hecheln, der uns im Endeffekt nie glücklich machen wird. Da Sie mich um einen Rat gefragt haben für junge Leute: ganz viel lesen, ganz wenig fernsehen (lacht), gute Musik hören und sich einfach weiterbilden. Information und Bildung sind eben etwas, das uns nicht am Fernsehsessel beim Knabbern oder in der Kneipe beim lustigen Dialog geschenkt wird. Das mag ja alles seine Berechtigung haben, aber Information ist Arbeit. Sowohl spirituelle Information, als eben auch die "knallharte" historische und politische Information. Das ist Arbeit, aber auch Staatsbürgerpflicht. Jeder sollte sich bewusst sein, dass nicht einmal die ARD-Nachrichten annähernd genügen. Um an Nachrichten ranzukommen, müssen wir richtig arbeiten. Wir müssen Bücher lesen, die vielleicht nicht gerade jeder liest. Gott sei Dank gibt es das Internet wo wir rumwühlen können. Gerade wenn ich jetzt die politische Lage betrachte, ist es notwendig sich der verschiedensten Quellen zu bedienen, um nicht zu verblöden. Sonst erliegen wir einer globalen Propaganda, bei der wir schon ahnen, dass es eigentlich nicht stimmen kann, dass wenn irgendwo ein Stuhl umfällt, es die Al Qaida war.

gersthofer: War es früher für Sie vielleicht einfacher den Weg als Musiker und Künstler zu gehen, da in der Zeit um 1968 das Aufarbeiten der deutschen Vergangenheit noch näher war und es noch direkter irgendwelche Feindbilder gab?

Wecker: Zwei Dinge waren einfacher. Das eine war, dass es für jemanden nicht so tragisch war, kein Geld zu haben. Im Gegenteil, es war fast ein bisschen hip. Diejenigen, die zu jung und zu schnell viel Geld hatten, wie einige bei uns auf dem Gymnasium, die mit den ersten Aktienversuchen zu Millionären geworden sind, die wurden von uns verachtet. Heute wäre das andersherum und sie würden angeschleimt und bewundert werden. Die Jugend war damals in einer Gesellschaft, wo es Spaß gemacht hat politisch zu sein und es Spaß gemacht hat, sich zu informieren und anders zu sein als der Mainstream. Es war dann zwar auch wieder einer, aber es war wenigstens der Versuch zu einer Rebellion da. Ich frage mich, wo heute dieses wunderbare Potenzial der Jugend zu rebellieren ist. Das ist ja geradezu eine Verpflichtung für die Jugend.

gersthofer: Woran liegt das wohl?

Wecker: Ich denke da kann man keinem einen Vorwurf machen. Außer denen, die es bewusst gesteuert haben. Im Endeffekt sind es die Wirtschaft und unser kapitalistisches System. Es wurden Bedürfnisse geschaffen und das funktioniert am besten bei den Jungen, weil die noch am naivsten sind und noch am wenigsten überlegen. Es wurden Bedürfnisse geschaffen, die nicht notwendig sind. Es wurden dauernd Begehrlichkeiten erweckt, die es nicht bräuchte. Und so wurden wir immer mehr weggeführt von dem Wesentlichen, das den Menschen ausmacht, nämlich unserer Identität. Wir wurden immer mehr hingeführt zu kauffreudigen Konsumidioten. Wenn man heute ins Kino geht, dann gibt es erstmal eine halbe Stunde Werbung und kein Mensch überlegt sich mehr, dass es eine Unverschämtheit ist, denn man hat ja eigentlich keine halbe Stunde Werbung bezahlt. Und dann wird uns beispielsweise noch von RTL eingeredet, dass die jetzt Werbung machen müssen, denn sonst gibt es kein Programm mehr. Ja bitte, macht halt keine Werbung, dann haben wir endlich das scheiß RTL weg! Das ist alles doch so wenig notwendig. Das braucht es doch alles nicht. Bei dieser Art von Gehirnwäsche würde ich mich freuen, wenn die jungen Leute wieder mehr hinterfragen würden. In Frankreich ging das schon ein bisschen los mit dem Roman von Beigbeder, 99 Francs, der mir sehr gut gefallen hat. Der Autor ist jetzt zwar auch Mitte 40, aber das ist ein tolles Buch. Da wird uns vorgehalten durch was für eine Gehirnwäsche wir gehen und es gar nicht merken. Ich nenne es Gehirnwäsche, wenn der Mensch täglich bis zu 4000 Werbeindrücke mit bekommt. Das ist doch ungeheuer. In was für einen Aufruhr kommt denn da in unser Unterbewusstsein!

gersthofer: Es scheint schon so, dass vor allem bei jungen Leuten die Rebellion weggefallen ist. Man hat scheinbar den Menschen so zum Konsumenten hinerzogen, dass er dadurch totgerieben und lethargisch geworden ist. Was gibt es denn für Lösungsmöglichkeiten?

Wecker: Daher kommt übrigens auch diese latente Aggressivität, die sich dann in solchen Gewehr- und Schießorgien entlädt. Das ist ja auch ein Potenzial, das zum Menschen gehört und völlig unterdrückt wurde. Ich glaube, dass Bildung eine der ganz großen Alternativen ist. Und zwar auch Spaß an der Bildung. Ich würde mir so wünschen, dass das Lesen wieder den Stellenwert hat, den es eigentlich hätte. Nämlich, dass Bücher Freunde sind. Gerade für jemanden, der in seiner Clique nicht so toll angesehen ist, weil er halt ein kleiner Spinner ist. Also jemand von denen, die mein Herz erfreuen (lacht). Wenn man niemanden hat. Das kenne ich ganz gut. Ich hatte aber dann Hermann Hesse und Henry Miller. Das waren meine Freunde, die mir den Rücken gestärkt haben gegen alle und dann konnte ich mich hinstellen und mir denken: "Wenn ihr nun Hunderte oder Tausende seid, dann ist mir das auch Wurscht! Ich gehe meinen Weg!". Aber wenn ich nicht einmal den Miller gehabt hätte, dann wäre es traurig gewesen. Dann hätte ich vielleicht nicht durchgehalten.

gersthofer: Lesen die Jugendlichen also zu wenig?

Wecker: Ich will ja hier keine Jugendschelte machen. Wir waren nicht gescheiter und nicht blöder. Es bleibt immer gleich. Nur jetzt ist das System noch heimtückischer als es damals gewesen ist. Die Methoden sind heimtückischer. Deswegen muss man noch mehr aufpassen. Informieren und Netzwerke bilden ist wichtig. Ich denke, dass das Internet eine große Chance bietet. Trotz der Nachteile, die es durch Nazipropaganda und Kinderpornographie gibt, glaube ich überwiegen die positive Informationsmöglichkeiten, nach denen intelligente Menschen suchen.

gersthofer: Um noch mal auf die politische Situation im Moment zu kommen. Es gab von Ihnen mal einen schönen Ausspruch, der hieß: "Freiheit ist, wenn man keine Angst mehr hat, vor nichts und niemandem." Muss man sich nicht vor dem Terrorismus schützen und vielleicht ein Land wie den Irak angreifen, damit man keine Angst mehr haben muss?

Wecker: Das ist der falsche Gedanke. Man muss sich in erster Linie vor Bush schützen. Weltweit muss die Welt vor Bush geschützt werden. Der Terrorismus ist natürlich ein Problem, aber das Problem kann nicht so angegangen werden. Es ist ja alles ein großer Betrug. Es ist definitiv so, dass dieses ganze Wirtschaftssystem nicht überleben kann, wenn es keine Kriege gibt. Es muss Kriege geben. Jetzt gerade wirder Irak schon wieder aufgeteilt unter britischen Industriellen und amerikanischen Geschäftsleuten. Aus diesen Gründen werden Kriege geführt. Es geht um Ressourcen und Öl und währenddessen wird noch eine Terrorismusangst hochgeschürt. Wenn ich ein Terrorist wäre, dann würde ich mich doch eher durch die Aggression eines Herrn Bush berufen fühlen weiter terroristisch aktiv zu sein.

gersthofer: Liegt es nur an George W. Bush?

Wecker: Der Bush ist schon ein gefährlicher Mann, das glaube ich wirklich. Aber wir sind alle mit im Boot. Das ist nicht nur Amerika, sondern auch wir und die ganze westliche Welt. Wenn wir die Länder statt mit Bomben mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Geld zuscheißen würden, dann sehe die Welt doch anders aus. Wir ahnen doch alle miteinander, dass es der falsche Weg ist. Ich glaube, dass kein Mensch ernsthaft daran glaubt, dass mit Krieg Terror bekämpft werden kann. Trotzdem wird es uns immer weder eingeredet. Doch der Grund warum uns das eingeredet wird, ist, weil ein Kapital da ist, das weiter existieren möchte. In Brasilien hat zum Beispiel 1 Prozent der Bevölkerung über 50 Prozent des Landes in seinem Besitz. Das ist so ungeheuerlich. Da wollen Menschen nur eine kleine Parzelle, um sich etwas anzubauen und die bekommen sie nicht, weil Großgrundbesitzer da sind mit Tausenden von Hektar und nicht eine einzige Parzelle abgeben, weil sie das Land für ihr Recht und ihren Besitz halten. Diese Dummheit und Gier der Menschen ist das eigentliche Problem. Wir lenken mit dem Terror ab. Natürlich ist ein Terrorist ein Mörder, darüber braucht man gar nicht diskutieren. Aber in dem Fall müssen wir uns schon fragen, warum wir uns diese Mörder gezüchtet haben. Es ist nicht das Islamische. Das ist auch so ein Trick, um gegen den Islam zu hetzen.

gersthofer: Die Terroristen, die die Anschläge in den USA verübt haben waren aber eher wohlhabend.

Wecker: Auch wenn es immer wieder heißt die Terroristen sind reiche Leute. Ihre Gefolgschaft rekrutiert sich aus den Ärmsten, aus den Leuten, die von uns geschäftlich betrogen werden. Wir verlangen Zinsen in der Dritten Welt, die sie nicht bezahlen können. Wir lassen keinem dieser Länder ihre Rohstoffe. Wir setzen uns mit unseren Firmen rein und klauen ihre Frucht und ihr Öl und nehmen alles weg. Wenn sie sich dann aufregen, dann nennen wir sie ganz böse Schurkenstaaten. Und das einzige Land der Welt, das jemals Atombomben geschmissen hat, regt sich auf, wenn andere Atombomben haben. Irgendwo ist doch die Welt verrückt.

gersthofer: Freut Sie eigentlich dann die Wiederwahl der alten Regierung?

Wecker: Natürlich. Ich habe zwar meinen großen Ärger mit den Grünen, weil sie ihren pazifistischen Weg aufgegeben haben. Aber trotzdem lassen sich doch unter Rot-Grün radikal-demokratische Ideen viel besser verwirklichen. Natürlich bin ich froh, gar keine Frage. Ich habe ja auch mitgewirkt, dass das so sein soll. Zwar habe ich keine Propaganda gemacht für Parteien, aber natürlich ist es mir lieber. So unterscheiden tun sich die Parteien jedoch auch nicht. Der Wirtschaft kriechen sie alle in den Arsch. Aber die Basis der Leute ist besser. Sowohl bei den Grünen, als auch bei der SPD.

gersthofer: Um irgendwo eine Veränderung herbeirufen zu können, muss vielleicht dieser Wachstumswahn ein Ende haben. Aber man gewinnt dann keine Wahlen mehr...

Wecker: Weil sie alle lügen! Die Schere zwischen arm und reich ist so groß. Das Wachstum hilft vor allem denen, die schon reich sind. Es darf nicht mehr sein, dass fast 300 Menschen auf dieser Erde, ich glaube, halb so viel Geld haben wie das gesamte Bruttosozialprodukt der Erde. Ein paar Milliardäre! Können sie sich die Macht von denen vorstellen? Die können doch jede Zeitung kaufen und uns erzählen was sie wollen.

gersthofer: Hat sich da seit der Geburt Ihrer Kinder etwas geändert? Sind Sie bei solchen Themen noch emotionaler geworden?

Wecker: Man läuft weniger Gefahr ganz zynisch zu werden. Man könnte sich als alternder Künstler leichter sagen, dass die Lieder nie ernst genommen wurden und einen diese böse Welt nun am Arsch lecken kann und zum bösen Zyniker verfallen (lacht). Diese Gefahr ist nicht mehr so gegeben, wenn man Kinder hat. Man kann mit Kindern nicht zynisch sein, denn man möchte ihnen ja eine andere Welt ermöglichen können. Ich kann mich erinnern als ganz junger Mann, wenn ich nicht mehr ein und aus wusste, dann habe ich mir oft gewünscht, dass wenn ich schon zugrunde gehe, die Welt gefälligst mit mir unter geht. Irgendwie war mir der Gedanke rein ideell sympathisch (lacht). Nicht, dass ich daran mitgewirkt hätte. Ich war nie ein Gewalttäter. Aber es gibt so viel Vorstellungen im Innersten, so lang man noch sehr seinem Ego verhaftet ist. Das ist für mich der größte Vorteil von Kindern: man lernt immer mehr von seinem Ego zu lassen. Irgendwie wachsen da neue Egos heran, die das mit so einer Vehemenz fordern, die einen ganz schön miteinnimmt.