Das Leid im Irak muss ein Gesicht bekommen

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

16.12.2002

Quelle

Stuttgarter Nachrichten

Autor / Interwiever

Jürgen Bock

Podiumsdiskussion und Konzert mit Konstantin Wecker

Ein möglicher Irak-Krieg beschäftigt viele Friedensinitiativen. Die Tübinger Gesellschaft Kultur des Friedens hat in Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart eine besondere Veranstaltungsform dafür gefunden: Beim politisch-kulturellen Abend diskutierten erst Experten, dann sang Liedermacher Konstantin Wecker.

VON JÜRGEN BOCK

Eher zufällig und damit sehr kurzfristig hatte sich die Möglichkeit ergeben, die prominente Runde an einen Tisch zu bekommen. "Wir haben das innerhalb einer Woche organisiert", erklärt Henning Zierock von der Gesellschaft Kultur des Friedens. "Wir müssen die passive Mehrheit mobilisieren und dürfen nicht ohnmächtig vor dem Fernseher sitzen." Vom Leid im Irak berichtete der ehemalige Uno-Koordinator für die Irak-Hilfe, Hans von Sponeck. Wie die Verdi-Landesvorsitzende Sybille Stamm forderte er, dass Deutschland keine Hilfe zu einem Präventivkrieg leistet: "Das ist die Förderung des Terrorismus."

Der Stuttgarter Prälat Martin Klumpp sagte: "Krieg darf um Gottes willen nicht sein. Jede Politik ist nur so gut, wie sie dem Frieden dient." Auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland sei dieser Auffassung. "Manche Fans finden mein politisches Engagement übertrieben, aber ich kann nicht anders", bekannte Wecker und erntete dafür schon vor seinem musikalischen Auftritt tosenden Applaus der rund 350 Besucher. "Die Leute sprechen wie beim Schachspiel über Wirtschaft und Ideologien, aber nie über Menschen", klagte der Liedermacher, der fordert: "Wer Frieden will, muss mit Frieden anfangen."

Wecker nimmt sich selbst beim Wort und lässt Taten folgen. Er wird Mitglied einer rund zehnköpfigen Friedensdelegation sein, die um den Jahreswechsel eine Reise in den Irak antreten will, organisiert von der Gesellschaft Kultur des Friedens. Für dieses Unternehmen ist auch der Erlös des Abends bestimmt. "Wir wollen Kontakt zu den Menschen aufbauen, Partnerschaften auf allen Ebenen schaffen", erklärt Zierock das Ziel der Mission. "Das Leid muss ein Gesicht bekommen." Mit im Gepäck sollen deshalb Adressen von Schülern und Studenten sein, man will Städtepartnerschaften anleiern, vor Ort Solidarität zeigen.

Zum Schluss dann der Höhepunkt des langen Abends: Wecker haut nicht nur verbal auf die Pauke, sondern auch in die Tasten. Einmischung auf künstlerische Art.