SWR-Liederpreis ... mit Wecker

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

18.11.2002

Quelle

Reutlinger Generalanzeiger

Autor / Interwiever

Dietmar Götz

Einer brauchte dieses Mal keinen Preis, um nach Tübingen zu kommen. Konstantin Wecker hat bereits alles abgeräumt, was es diesbezüglich in Deutschland zu verleihen gibt. Sein Gastspiel war sozusagen ein Bonbon. Entsprechend kurz der Auftritt. Nur eineinhalb Stunden stand er zusammen mit seinem langjährigen Partner Jo Barnikel auf der Bühne. Für Wecker-Konzerte unüblich.


Doch wie gewohnt singt der Münchner mit dem ganzen Einsatz von Körper und Seele. Er ist Minnesänger und Provokateur zugleich. "Mir genügt mein Vater zur Genüge, ein ganzes Land als Vater war schon immer eine Lüge", singt Wecker in der zynischen Gesellschaftsanalyse "Vaterland". Der wortgewaltige Sänger aus Bayern hat in seinem umfangreichen Repertoire gekramt und dabei vor allem die politischen Lieder ausgegraben. "Im Namen des Wahnsinns" und "Willy" zeugen davon. Hebt er nun wieder den Zeigefinger? Wecker sagt nein. Er hasse die Moral. Aber er verabscheut auch die Kriegstreiber, die Börsianer, die Demagogen, die auf Kosten der Hungernden dieser Welt ihr Geld zur Seite bringen. "Wäre es nicht endlich an der Zeit, nachzudenken über das Schicksal dieser Welt?", fragt Wecker und spricht am Ende des Konzerts so etwas wie eine Empfehlung aus: "Lasst uns umarmen, wer uns braucht - in dieser bitterkalten Zeit."