Lieder, die Antworten geben

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

27.10.2002

Quelle

Schweriner Volkszeitung

Autor / Interwiever

Wolfgang Dalk

Lieder, die Antworten geben

Konstantin Wecker mischt sich ein
Zu jenen, die sich für Gemeinsamkeit von Ausländern und Deutschen stark machen, gehört seit 1993 als Ehrenmitglied des Vereins Dien Hông der Liedermacher Konstantin Wecker. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Dien Hông sang er Freitagabend im Katharinensaal der Hochschule für Musik und Theater.

Der politische Sänger will verstanden werden als Mitstreiter. Was dann an Liedern vergangener Jahre oder jetzigen Datums folgen, sind Antworten. Mit ungebrochener Strahlkraft ist er an diesem Abend der kraftvolle Moderator, der zwischen den Generationen souverän vermittelt. Zwischen der einen, die schon nach den ersten Takten von "Was macht sich heut die Sonne breit" (25 Jahre alt) Wiedererkennungsbeifall intoniert, und der anderen, die über den Umstand staunt, dass in deutschen Liedern auch Tacheles gesungen werden kann. Und für beide Generationen tut er etwas, das kühn ist: Er covert sich selbst. Sein bekannter "Willy" kommt mit neuem Text.

Wecker singt nicht von damals. Er macht hörbar, was sich verändert hat, und verweist auf die neue Qualität von Gefährlichkeiten in der Welt. Doch Wecker wäre nicht Wecker, wenn er mit der sattsam bekannten musikalischen Grundlage nicht auch radikal-experimentelle, ausgesparte Musik böte. Das tut er mit Jo Barnikel, einem exzellenten Pianisten, der auch auf der Trompete zu überzeugen weiß und schon bei der Einspielung von "Uferlos" glänzte. Mit Scharfsinn und Leidenschaft arbeiten beide an der präzisen Ausformung von Musik und Klang und steigern die Fülle von Wahrnehmungen und Wohllauten der Musik - bleiben im Text klar, faktenreich, realistisch, aufklärerisch.

Wenn ein Mann auf diese Weise "alt wird", kann sich das Publikum mit dem Älterwerden anfreunden. Denn es signalisiert Schwung und Wut, die dem Aufruf "Misch dich ein und sage nein" nicht nur Authentizität verleiht, sondern auch mitreißt.