Die Wachheit der Völkermarkter hat mich überrascht

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

11.11.2002

Quelle

Kleine Zeitung

Autor / Interwiever

Christian Zechner

Für Konstantin Wecker und sein Publikum war das Konzert in der Burg ein gelungener Abend.


VON CHRISTIAN ZECHNER


Den Anfang machte das "Vaterland", gefolgt von einem Lied über den Wahnsinn - geschrieben vor 15 Jahren. Bei seinem Konzert in Völkermarkt stellte der bayrische Liedermacher Konstantin Wecker kämpferisch Politisches und Privates, Altes und Neues nebeneinander. "Lass es raus", sei für ihn das Motto der Nacht, ließ Wecker sein zahlreich erschienenes Publikum wissen, und: "Ich brauche keinen Psychiater. Ich habe Sie." Wecker nahm mit seinen Liedern und Texten die Völkermarkter mit auf eine Reise rund um die Welt: Der Irak spielte in dem Programm ebenso eine Rolle wie das Bayern Stoibers, der "Süden" ist ihm genauso wichtig wie ein kritischer Blick auf Amerika. Ein Konzert, getarnt als psychoanalytischer Prozess, trotzdem ein höchst unterhaltsamer Abend: Dem Publikum hat es ebenso gefallen, wie dem Künstler, erzählte er der Kleinen Zeitung in einem Interview.
Sie sind das erste Mal in Völkermarkt. Wie gefällt es Ihnen hier?
KONSTANTIN WECKER: Es ist ganz erstaunlich hier. Von der Stadt habe ich zwar noch nichts gesehen, aber ich bin überrascht von der Wachheit des Publikums. Sonst schauen die Leute ja oft auf ihren Nachbarn und fragen sich, ob sie klatschen dürfen.

Und die Neue Burg?
WECKER: Die hat einen wunderbaren Charakter. Sonst sind es oft Sporthallen, Schweinehallen, sagen wir Musiker dazu.

In der Neuen Burg betonen die Politiker sonst gerne ihre Einigkeit. Was hält der Künstler Konstantin Wecker von einer Einigkeit um jeden Preis?
WECKER: Es gibt schon Parteien, mit denen es keine Einigkeit geben sollte. Aber der Vorteil des Künstlers ist, dass er Utopien verkünden kann. Für mich ist die Utopie die Sehnsucht des Menschen nach einer gerechteren Welt. Aber die kann es nicht geben, solange der Mensch zerrissen mit sich selbst ist. Die Poesie kann da helfen - vielleicht nur die Poesie. Es gibt eine Poesie der Religion und eine Poesie der Physik . . .

Und der Politik?
WECKER: Wenn Politik Poesie würde, wäre vieles gewonnen.