Mächtige Lyrik gegen die Mächtigen

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

14.10.2002

Quelle

Saarbrücker Zeitung

Mächtige Lyrik gegen die Mächtigen

Liedermacher Konstantin Wecker am 30. November in Merzig

Merzig (mz). Dem Wecker Konstantin scheint es in Merzig zu gefallen: Auf seiner aktuellen und überaus erfolgreichen "Vaterland/Improvisationen"-Tournee macht er am Samstag, 30. November, 20Uhr, in der Merziger Stadthalle Station. Von knapp anderthalb Jahren war Wecker ebenfalls auf Einladung des Kulturzentrums Villa Fuchs zu Gast in der Stadt. Das Konzert wird allen Besuchern noch in guter Erinnerung sein.

Jetzt wird der bayerische Liedermacher begleitet von Keyboarder Jo Barnikel. Wecker live - das ist fesselnde Lyrik, sprachgewaltig und zart, trotzig und verwundbar, voll Witz und Widerspruch. Seine Lieder erzählen mal melancholisch oder sentimental vom Leiden und Beleidigtsein, mal wütend und fordernd von Sehnsucht und Rebellion. Klagelieder mit kristallklarem Sound: Weckers lyrische Botschaften bohren sich wie Pfeile in Hirn und Herz - große und mächtige Lyrik gegen die Mächtigen: "Ich werde alles tun, um mit meinen künstlerischen Möglichkeiten der allgemeinen Gleichschaltung - um es einmal höflich auszudrücken - entgegenzutreten."

Es ist die Liebe und das Lachen, die Lust auf das pralle Leben, die Wut und auch der Mut, dieser bayerische Charme mit seiner süffisanten Ironie und radikalen Gradlinigkeit, die die Menschen beim ersten Marathon der Vaterland-Tournee von den Stühlen gerissen hat. Jetzt geht diese Vaterland-Tour weiter. Konstantin Wecker ist zusammen mit Jo Barnickel unterwegs, einem alten Weggefährten und Klasse-Keayboarder.

Neben den alten Wecker-Fans strömen vor allem junge Menschen in seine Konzerte: "Ich habe gemerkt, wie sehr sich gerade die Jungen wieder wünschen, politisch das zu hören, was in den meisten Medien nicht steht. Deshalb habe ich den Willy aus meinem Song noch einmal ausgegraben und erzähle ihm live bei jedem Auftritt, was gerade passiert." Dieser "Talking-Blues mit Willy" verändert sich täglich auf der Bühne. Er gehört längst zu den Höhepunkten der Vaterland-Konzerte: Ein bayerischer Blues, der den Menschen aus dem Herzen spricht. "Die Leute wünschen sich wieder Künstler, die sich einmischen. Und ich habe viel zu viel Wut, um nichts zu sagen."

Konstantin Weckers Konzerte sind poetische Feste und politische Manifestationen. "Lieder und Musik bringen ein Thema ins Herz. Es gibt viele wichtige Bücher und gescheite aktuelle Denker, aber deswegen ist das Thema noch nicht im Herzen der Menschen. Die Chance des Liedes ist es, politische Inhalte und Fragen ins Herz hineinzubringen, in die Emotionen und das Gefühl."

Was für eine Nacht in der Berliner Philarmonie: Fast vier Stunden tobte der Saal. "Die Konzertkritik, baupolizeilich", fasste der "Berliner Tagesspiegel" so zusammen: "Das Scharoun-Dach ist noch drauf. Alle Sitzreihen konnten erhalten bleiben." Auch in Frankfurt hielt es die Fans nicht mehr auf den Stühlen. Die meisten Konzerte dauerten mehr als drei Stunden. Denn wie immer bei Konstantin Wecker gibt es viele Zugaben. "Hervorragend" lobt die "Münchner Abendzeitung", ein "vital jazziger Sound" die "Frankfurter Rundschau".

Zum Tourneestart erscheint auch die Live-CD "Vaterland" - ein atemberaubendes Sound-Dokument der ersten Konzertreise durch 34 Städte vom Herbst 2001: Das Wecker-Läuten im kriegerischen Vaterland mit Live-Atmosphäre.

Übrigens: Das Lied vom "Vaterland" schaffte sogar den Sprung in die Radio-Hitparaden der letzten Monate, lag dort zwischen englischen Titeln auf Platz 20 und war auf der SWR-Liederliste wochenlang auf Platz eins vertreten. Das freut Wecker natürlich besonders: "In diesen modernen Zeiten, vor denen wir uns grausen müssen, ist es schön, wenn wir wieder eine neue Kultur des politischen Liedes bekommen."

Der Tourplan, Liedtexte, Interviews und "Konstantins Tagebucheintragungen" (zum Beispiel zu seinen Erlebnissen auf den Münchner Demonstrationen gegen Krieg) kann man auf seiner Internetseite: www.wecker.de nachlesen.


Karten unter Tel. (0 68 61) 9 36 70 und unter www.villa-fuchs.de