Die Wirklichkeit steht nicht in den Schlagzeilen

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

23.10.2002

Quelle

Frankenpost

Gespräch mit Konstantin Wecker
,,Die Wirklichkeit steht nicht in den Schlagzeilen´´

VON RALF SCHIFFERS
HOF - Am 30. Oktober kommt der Liedermacher Konstantin Wecker in der Freiheitshalle Hof. Wir hatten Gelegenheit, mit dem Künstler über seine Tournee, aktuelle Projekte und das Leben als solches zu sprechen.

Ihr Programm, mit dem Sie jetzt auf Tour gehen, heißt ,,Vaterland/ Improvisationen´´. Welche Themen stehen dabei im Mittelpunkt?

Wecker: Das Programm dreht sich um Politisches. Ich setze mich noch einmal mit meinem fiktiven alten Freund Willy zusammen und erzähle ihm, was seit dem 11. September passiert ist. Ich erzähle von dem Krieg, vor dem wir uns befinden, und ich stelle Fragen. Am Ende komme ich zu der Überzeugung: Ein ganzes Land als Vater war schon immer eine Lüge.

Worauf darf man musikalisch gespannt sein?

Wecker: Ich habe dieses Mal keine Band dabei, sondern den Keyboarder Jo Barnickel. Er ist einfach phantastisch in der Lage, meinen harmonischen Eskapaden musikalisch zu folgen. So können wir sehr frei improvisieren, mit Gedichten und Liedern, und jeder Abend wird anders.

Auf Ihrer Website steht: ,,Das mag ich so an den Bäumen: ihr Wissen um Sterben und Sucht. Was sie sich im Frühjahr erträumen, ernten sie später als Frucht.´´ Spüren Sie heute wachsende Lebensweisheit? Ist die Zeit des Träumens vorbei?

Wecker: Das Träumen ist nicht vorbei, aber ich hinke meiner Lebensweisheit hinterher. Vor zwanzig Jahren habe ich Lieder geschrieben, die heute noch richtig sind.

Und wie gehen Sie persönlich mit dem Älterwerden um?

Wecker: Es belastet mich nicht besonders - die einzige Möglichkeit, damit umzugehen, ist, dazu zu stehen. Bis vor sieben Jahren habe ich mit Drogen auf ewig jugendlich gemacht, und als ich dann aus der für mich segensreichen Krise aufgewacht bin, war ich plötzlich fünfzig. Die Übergangszeit fehlt mir.

Sie stehen seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne. Haben sich in dieser Zeit Ihre Themen verändert oder sind es dieselben geblieben?

Wecker: Es sind dieselben Themen geblieben. Das Grundthema des Dichters ist die Liebe. Sie ist der Urgrund von allem, und ich bin verärgert, wenn sie verhohnepipelt wird. Aber die heutige Zeit erfordert, dass man sich mit vielen Zusammenhängen beschäftigt. Wir besitzen heute das Sechstausendfache von dem, was im Zweiten Weltkrieg verpulvert wurde. Klimaveränderung, Artensterben - wenn wir das nicht verdrängen würden, würden wir nur noch aufschreien. Die Wirklichkeit steht nicht in den Schlagzeilen, sondern meistens erst
auf Seite drei und vier, und
wir müssen den Jugendlichen vermitteln, dass Information
eine Anstrengung und eine demokratische Bürgerpflicht ist.
An welchen neuen Projekten arbeiten Sie?

Wecker: Ich habe mit Christian Berg, mit dem ich ,,Jim Knopf´´ vertont habe, das Dschungelbuch als Kindermusical geschrieben; es ist Kipling, nicht aber Disney. Die Tournee dazu beginnt am 1. November in Berlin.

Für das Konzert am Mittwoch, dem 30. Oktober um 20 Uhr, in der Hofer Freiheitshalle, gibt es dreimal zwei Eintrittskarten zu gewinnen. Einfach eine Postkarte mit dem Stichwort ,,Wecker-Konzert´´ einschicken an: Frankenpost-Heimatredaktion, Poststraße 9/11, 95028 Hof. Einsendeschluss ist Donnerstag, der 24. Oktober. Wer bei der Verlosung kein Glück hat, bekommt Eintrittskarten an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im
- Ticket-Shop der Frankenpost.