Mit dem Waffenhändlertango für den Frieden trommeln

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

23.10.2002

Quelle

Regensburger Audimax

Autor / Interwiever

Anastasia Poscharsky-Ziegler

Er ist und bleibt ein Mann der Gegensätze: Konstantin Wecker, 55 Jahre, zweifacher Familienvater, Liedermacher, Sänger, Komponist. Soweit die bürgerliche Seite seiner Biographie. Aber da gibt es noch den Rebellen, den Zyniker, den der allem misstraut, das mit Geld und Macht zu tun hat. Wecker ist auf dem zweiten Teil seiner Tournee, den "Vaterland Improvisationen" am 29. Oktober (20 Uhr) im Audimax in Regensburg zu Gast. Die Kulturredaktion führte mit ihm dieses Interview.

Ihre "Vaterland" Tournee hat sie im letzten Jahr mit ihrer vierköpfigen Band durch 52 Städte geführt. Nun diesen Herbst sind Sie mit Ihren "Vaterland Improvisationen" im Duo mit Ihrem Keyboarder Jo Barnikel unterwegs. Da Ihre Programme immer sehr aktuell sind, was dürfen die Zuhörer in Regensburg erwarten?

Wecker: Auf jeden Fall das Thema, was mir momentan am meisten am Herzen liegt: der schon bestehende und weiterhin drohende Krieg gegen Afghanistan. Ich möchte so gut ich es vermag für den Frieden trommeln - das mache ich natürlich mit Liedern und nicht in Vorträgen. Dazu habe ich einen Klassiker, meine zwanzig Jahre alte Ballade "Willy" - die mich richtig bekannt gemacht hat - umgeschrieben: ich erzähle meinem Freund, was nun seit dem 11. 9. letzten Jahres weltweit so los ist. Und auch auf meinen Song "Waffenhändlertango" darf man gespannt sein. Ich werde aber mein Publikum nicht depressiv und mutlos entlassen, denn ich denke nicht daran, mir von Herrn Bush meine Lebensfreude total rauben zu lassen.

Sie sagten einmal, die Musiksendung im Fernsehen müsste noch erfunden werden, in der Ihr Stil hineinpasst. Zu ihrer persönlichen Hitparade gehören aber, und das überrascht, Franz Schuberts "Schöne Müllerin" und Verdis "La Traviata" - wie kommt das?

Wecker: Das hat damit zu tun, dass mein Vater Opernsänger war, und ich als Kind in der Welt der Oper aufwuchs. Ich habe meinen Vater auch oft am Klavier begleitet und dabei singend die Frauenpartien übernommen, etwa in der Traviata, und ich war sogar die Königin der Nacht...(lacht herzlich) Da muss es noch Tonbandaufnahmen geben...

Hat Ihr Vater Ihren beruflichen Weg noch verfolgen können?

Wecker: Ja, mein Vater hat alles noch miterlebt, ist erst vor einem Jahr gestorben. Irgendwann hat er akzeptiert, dass es für mich doch besser war kein Opernsänger zu werden.

Mit ihren Drogenerfahrungen gehen Sie sehr offen um, werden von Schulen oder etwa von der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg zu öffentlichen Vorträgen und Diskussionen geladen.

Wecker: Seit zwei Jahren mache ich das in der Form eigentlich nicht mehr, weil mich andere Dinge zu sehr interessieren. Aber in ausführlichen Gesprächen komme ich oft selbst immer noch auf dieses Thema. Dabei geht es mir aber weniger um die Drogen, als um die Überwindung einer gigantischen Lebenskrise, und wie segensreich diese sein kann - noch dazu für einen Fünfzigjährigen. Das geht anderen, die etwa eine schwere Krebserkrankung überstanden haben genauso - und es ist erstaunlich, mit Leuten, die so eine Krise durchgestanden haben, mit denen spricht man auf einer anderen Ebene, verstehen Sie?

Wie wichtig ist Ihre Familienerfahrung für ihre neuen Projekte gewesen, für die Musicals "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" und ihr brandneues "Dschungelbuch"?

Wecker: Nun ja, die Idee und die Anfrage dazu kam von Christian Berg, der unbedingt wollte, dass ich für ihn komponiere. Aber Sie haben recht - wahrscheinlich hätte mich das Thema früher überhaupt nicht interessiert...

Und Ist Ihr älterer Sohn Valentin Balthasar Ihr größter Fan?

Wecker: Ja, das ist er sicher - obwohl er das nie zugeben würde ! Ich war mit ihm kürzlich in München in der Kinderoper "Pinocchio", das war ganz phantastisch gemacht - aber zu Hause sagte er nur: "Papa, deine Musik gefällt mir besser!" Das hat mich schon gefreut.

Sie pflegen einen engen Kontakt zu Ihrem Publikum, führen auf Ihrer Homepage ein sehr offenes Tagebuch. Wie sieht Ihr Publikum aus - wird es gemeinsam mit Ihnen älter oder vielleicht sogar jünger?

Wecker: Natürlich wird das Publikum im Gros mit mir älter. Die Hauptgruppe liegt altersmäßig zwischen 25 und 40 Jahren. Leute meines Alters sind also gar nicht so häufig dabei, Ältere wieder ja - was mich sehr freut! Mit den paar Schülern, die sich zu mir bekennen, habe ich Emailkontakte. Das ist ja für die geradezu eine Mutfrage in der heutigen Zeit nicht zu "Bro´Sis" zu gehen, sondern zu Konstantin Wecker. Das erfordert eine große Eigenständigkeit - diese Jungs und Mädchen erinnern mich an mich selbst: Ich hab´ mir auch immer das ausgesucht, was nicht gerade "in" war.

Bleiben Sie auch während Ihres Duoabends Ihrer alten Gewohnheit treu "kein Konzert unter drei Stunden"? Und warum machen Sie es sich nicht leichter, warum strengen Sie sich so an?

Wecker: Sicherlich wird das jetzt nicht kürzer werden, vielleicht sogar im Gegenteil noch länger. Das eigentliche Programm dauert mindestens zwei Stunden - wie das übrigens bei jedem anständigen Künstler so sein sollte - und dann ist die Stimmung meist so phantastisch, das es eben weiter geht. Anstrengend ist eine Tournee überhaupt nicht - man wird auf Händen getragen, den ganzen Tag über bestens versorgt und darf abends sogar noch auf die Bühne... eine Woche durchgehend mit meinen Kindern, ist viel anstrengender! Und: ich bekomme von meinem Publikum ja so viel zurück - von meinen Kindern übrigens auch.

Karten für das Konzert gibt es beim NT/AZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85550 und 09621/306230.