Lieder gegen den Wahnsinn der Welt

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

23.10.2002

Quelle

Nürnberger Nachrichten

Lieder gegen den Wahnsinn der Welt
Konstantin Wecker in Erlangen

"Politisch nicht correct" heißt ein aufschlussreiches neues Buch, das Interviews mit Konstantin Wecker enthält. So könnte auch das Motto der aktuellen Tournee lauten, auf der sich der Liedermacher so politisch wie lange nicht gibt. Gleichzeitig aber auch melancholisch und nachdenklich. In der Erlanger Stadthalle feierte das Publikum den neuen, alten Wecker am Ende eines fast drei Stunden dauernden Auftritts.

Die aktuelle Konzertreise ist die Fortsetzung der erfolgreichen "Vaterland"-Tournee mit anderen musikalischen Mitteln: Der Sänger und Pianist Konstantin Wecker wird diesmal nur von dem Nürnberger Keyboard-Klangzauberer Jo Barnickel begleitet. Eine Band vermisst man in keinem Augenblick. Im Gegenteil. Zu erleben ist der mitreißende Dialog zwischen zwei Musikern, die der Improvisation viel Raum geben. Das hält die Spannung im Programm aufrecht.

Wut der Verzweiflung

Wecker singt viele frühe Lieder von der Liebe und vom Tod, vor allem aber vom Wahnsinn dieser Welt. Mit der Wut der Verzweiflung stürzt er sich auf Themen wie mediale Volksverdummung, Geldgeilheit, Umweltzerstörung oder Börsenwahn. Mal arbeitet er mit ironischen Nadelstichen, mal mit dem sarkastischen Holzhammer. Der Spaß hört spätestens dann auf, wenn es um die Kriegsbegeisterung des amerikanischen Präsidenten geht. "Krieg war schon immer ein Bombengeschäft", konstatiert Wecker und kritisiert die, die angeblich die Freiheit des Geistes verteidigen, aber die Freiheit des Marktes meinen.

Dem herrschenden Zeitgeist liest Wecker im Zwiegespräch mit einem alten Bekannten besonders eindrucksvoll die Leviten: Der stets aktualisierte "Willy"-Song bietet die Gelegenheit zum Rundumschlag. Solche politischen Lieder sind aus der Mode gekommen, was ihre Bedeutung nicht schmälert. Der Moralist aus München mag auf verlorenem Posten kämpfen, die Hoffnung auf bessere Zeiten lässt er sich dennoch nicht nehmen. radl

Zur Lektüre: "Politisch nicht correct - Konstantin Wecker im Gespräch". Doell Verlag, Bremen. 159 Seiten mit Fotos, 29,65 Euro.