Wie ein alteingesessener Lokalpatriot

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

02.08.2002

Quelle

Main-Rheiner

Autor / Interwiever

Nikolaus Furch

Wie ein alteingesessener Lokalpatriot
Konstantin Wecker warmherzig empfangen / Besser in Form denn je / Begleitband fabelhaft

KIRN. Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen: Wecker auf Kyrau, nicht auf der Kyrburg. "Wecker&Freunde" - nicht nur die Fans - hatten sich schon auf das vertraute romantische Ambiente gefreut, doch Petrus ließ die Rechnung offen. Das Konzert wurde auch so ein Riesenerfolg. Konstantin Wecker, Poet am Konzertflügel und Revoluzzer mit Stimme, war heimgekehrt, das Turnhallenvolk begrüßte ihn als Lokalpatrioten und lieben "Alteingesessenen". Geregnet hatte es übrigens dann doch noch.

Zwei Momentaufnahmen: Ein Mann unbestimmten Alters, im schlichten Outfit, spurtet federleicht auf die Bühne, verordnet der erwartungsvollen Menge: "Kyrau ist jetzt Kyrburg". Das reicht: Phantasie steckt an - Konstantin Wecker besiegt das Wetter. Plötzlich das andere Bild: Im farbigen Leuchtkegel tauchen auf der Bühne Gestalten auf, rätselhafte Charakterköpfe. Gitarre, Keyboard, Schlagzeug blitzen im Licht. Über allen thront ein langer Schlacks: Der Bassist, schnurrbartgeschmückt, charmebewaffnet.

Sie gehören zusammen: Dieser Liedermacher mit sanftem, ungebremstem Gefühl und diese blindlings sich darauf verstehende Freundesschar. Und Weckers Lieder zünden Gemeinschaftssinn. Sinnsuche, das ist es, was sie vormachen. Nomen est Omen: Wecker, der Aufwecker. Unüberhörbar und unübersehbar das pralllebendige Programm.

Wecker provoziert, ermuntert, betreibt Seelsorge. "Zum Frieden braucht man Mut", bekennt er. Verantwortlich für das, was in der "monströsen Welt" geschieht, sind nicht die schnell georteten schwarzen Schafe. Verantwortlich ist zunächst und zuallererst der Einzelne, der den Wandel zum Besseren im Abenteuer der Selbstfindung wagt. Das Panoptikum des Irrsinns klingt schaurig auf im "Waffenhändler-Tango" und ein fast noch verstörenderes Lied schreibt er ins Notenbuch der "Fachmänner und Fachidioten".

Das Ganze ist verpackt in ein phantastisches Medley der Lieder und Stile. Das reicht von Blues bis Rock, Klassik bis Hip-Hop. Mit links könnte dieser staunenswerte und geistig unverbrauchte Mann ein Solokonzert auf seinem Flügel hinlegen.

Das "Begleitinstrumentarium" zu seinen Paradesongs überlässt er gerne der witzigen und liebenswert lausbübischen Band. Jo Karnikel flutscht virtuos mit Keyboard und Trompete daher. Top-Arrangeur Gerd Baumann beflügelt die Songs mit Flügelhorn und Gitarre. Der Mann am Riesenbass, Sven Faller, versteht sich ebenso auf Gitarre. Und da ist noch ein begnadeter "Clown" - Jens Fischer-Rodrian - der zaubert mit der E-Gitarre, haut drauf, tanzt und rappt, das einem vor Vergnügen Hören und Sehen vergeht.

Zwischendrin leistet eine wieselflinke Bühnenarbeit Präzisionsarbeit - Martina Brendt. Die stimmt in der Pause das Piano und spielte, "nur so nebenbei", vor dem Spektakel ganz spektakulär auf dem Stimmobjekt tolle klassische Sachen. Es war eine Klasse-Wecker-Nacht. Wecker und Freunde und, natürlich, die zahlreichen Fans waren glücklich.