Aus kargem Fragekorn zu reicher Antworternte

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

06.07.2002

Quelle

Gießener Anzeiger

Autor / Interwiever

Albert Mehl

Interview-Auszüge von Konstantin Wecker in einem Band gesammelt - Mit "if design award 2002" ausgezeichnet.

Über Konstantin Wecker zu urteilen fällt schwer, wenn man ihn nicht gehört und gesehen, erlebt und gespürt hat wird eigentlich jeder Fan des bayerischen Liedermachers und Poeten argumentieren. Bücher über Wecker sollten sich deshalb in Liedersammlungen und allenfalls Bildbänden erschöpfen - wäre die zwangsläufige Folgerung. Es geht auch anders.

Das zeigt Günter Bauch, langjähriger Weg und vor allem Tourneebegleiter des in die Jahre, aber längst nicht zur Ruhe gekommenen Liedermachers. Bauch zeigt das auf bemerkenswerte Weise. Denn sein großformatiges Buch mit Interview-Auszügen (seit 1978) und Fotografien (seit der Kindheit) ist mit dem "if design award 2002" ausgezeichnet worden.

Wer das Buch somit nur unter grafischen und Gestaltungs-Gesichtspunkten anschaut, wird auf seine Kosten kommen. Doch hat er einiges verpasst. Den Inhalt. Denn Konstantin Wecker ist ein Mensch, der sich uneingeschränkt (im wahren Wortsinn) zu Gott und der Welt äußert und im positiven Sinne ein "Revoluzzer" geblieben ist - auch und gerade, weil er in den letzten Jahren neue Tiefen (wegen Drogenbesitzes verurteilt und in Untersuchungshaft) und Höhen (Heirat und zweifaches Vaterglück) erlebt hat.

Bauch hat versucht, die einzelnen Interview-Auszüge thematisch zu sammeln, was ihm durchweg gelungen ist. So reizen Aussagen zu Liebe, Erziehung, Kunst, Kreativität, Religion, Tod und vielen anderen Themen aber auch seine politischen Stellungnahmen zur Auseinandersetzung.

Dabei ist die Aussage des Herausgebers nachzuvollziehen, wenn Günter Bauch im Vorwort schreibt: "Es ist immer wieder beeindruckend, wie er aus einem kargen Fragekorn eine überreiche Antworternte wachsen lässt."

Dass Konstantin Wecker aber andererseits nicht taugt zum Heilsbringer, dass er mit seinen Ecken und Kanten ein Individualist geblieben ist, hat er schon 1993 formuliert: "Ich glaube, dass ich sowohl für meine Feinde wie für meine Freunde ziemlich einmalig bin. Ich bin einmalig für die, die sagen, der Wecker ist der größte Arsch, und ich bin einmalig für die, die sagen, es gibt niemanden, der so was macht wie der Wecker. Ich bin identisch mit mir, und das wird in den letzten Jahren immer seltener." Und deshalb ist das Buch nicht nur für Grafiker und Wecker Fans zu empfehlen.

Günter Bauch (Herausgeber): "Politisch nicht correct Konstantin Wecker im Gespräch", Texte und Fotos, Doell-Verlag, Bremen, 159 Seiten, 29,65 Euro.
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