Kraftvoll gewettert

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

08.07.2002

Quelle

Wofratshauser SZ

Autor / Interwiever

Nicola Seipp

Wolfratshausen. Konstantin Wecker ist wieder da - und er ist ganz der Alte. Mal wütend und eindringlich, mal ernst und melancholisch, präsentierte er im Wolfratshauser Kulturzelt sein neues Live-Programm, eine perfekte Mixtur aus Politik und Poesie. Ohne Umschweife greift er in die Flügeltasten und schon mit den ersten Akkorden von "Vaterland" packt er sein Publikum und lässt es nicht mehr los. "Was ist das nur, ein Vaterland?", will er wissen. Was verbindet und wen hasst es, wen verschont es und was lässt stolz sein auf das Vaterland?
Kraftvoll wettert und zürnt er gegen Terror, Krieg, Rassismus und die skrupellose Politik der Stärkeren. Spöttelt über die zerbröckelnde New-Economy Szene in "Wenn die Börsianer tanzen", improvisiert jazzig beim "Waffenhändler-Tango" und gibt seiner Amerika-Kritik Raum. Seine Gedanken zur weltpolitischen Lage nach dem 11. September äußert er in einem Zwiegespräch mit dem imaginären Willy.
Dann wieder rappt er einen "Ambient-Reggae-Heavy-Hip-Hop" oder gibt sich verschmitzt ein wenig dem "Wehdam" (entliehen bei Oskar Maria Graf) hin, dem bayerischen Synonym für Leid und Schmerz, sozusagen der "Ur-Form des bayerischen Blues": "Nach soviel Jahren unter Stoiber kriegt man automatisch den Blues."
Sein Klavierspiel harmoniert bestens mit Josef Barnikel (Keyboards, Trompete) und das Publikum spendet immer wieder spontanen Beifall. Nicht nur den Fans vergangener Jahre, auch vielen Jüngeren im Zelt scheint Wecker aus der Seele zu sprechen.
Perfekt reguliert er die Stimmung im Saal: Nicht zu viel Übermut, weg von der Schwermut. Er sinniert über Psychiater, persönliche Probleme und macht seinem Vater eine wunderschöne Liebeserklärung. Und wenn er schmettert: "I glaub´i werd oid", denkt man: Und immer besser.