Mowgli in einem modernen Gewand

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

28.07.2002

Quelle

Cuxhavener Nachrichten

Erneut hat Kindermusical-Mann Christian Berg ein Händchen für angesagte Kinderliteratur bewiesen

man. - Den Tipp gleich vorweg: Liebe Väter, wenn Sie einen entspannten Abend mit Ihren Kindern verbringen wollen, setzen Sie sich nicht in die Außenreihen. Sonst kann es Ihnen nämlich gehen wie den beiden Männern, auf dessen Kosten sich bei der "Dschungelbuch"-Premiere am Sonnabend Schauspieler und Publikum bestens amüsierten.

Theater-Macher Christian Berg liebt es nämlich sehr, vor allem die elterlichen Zuschauer zum Mitmachen auf die Bühne zu bitten. Die machen das mit hochrotem Kopf auch mit _ und verkörpern artig Trauerweide und Kokospalme.

Erneut hat Kindermusical-Mann Berg nach Michael Endes "Jim Knopf" und Nordquists "Pettersson und Findus" ein Händchen für angesagte Kinder- und Jugendliteratur bewiesen. Die Musik steuerte wie in den vorigen Stücken Komponist Konstantin Wecker bei. Die Melodien sind durchweg eingängig und eignen sich leicht zum Mitsingen. Mit dem "Dschu Dschu Song" hat Wecker einmal mehr einen ohrwurmsicheren Musical-Song abgeliefert, der es auch locker mit dem Walt-Disney-Klassiker "Versuch´s mal mit Gemütlichkeit" aufnehmen kann.

Christian Berg und sein Team zeigen Mut zur eigenen Version. Statt sich an den detailgenauen Darstellungen Kiplings oder den Zeichentrickfiguren aus dem Hause Disney zu orientieren, setzen sie auf eigene Ideen - mit wunderbaren Kostümen (Tanja Schünemann), schlichten, aber schönen Bühnenbildern (Gertie Trautvetter und Uli Wolff) und pfiffigen Dialogen.

Mit viel Witz zieht Berg das Publikum in die Szenen hinein, lässt es teilhaben an Mowglis (überragend: Henriette Grawwert) abenteuerlichem Dschungel-Trip.

Singend, klatschend und auch mal auf der Bühne stehend, verwandeln sich die kleinen Zuschauer vom Konsumenten in Akteure. Sie mimen eine Elefantenherde und fliegen mit den Geiern durch das Theaterzelt.

Wer so ein Publikum hat, braucht keine monströsen Spezialeffekte und keine pompösen Kulissen. Bergs Inszenierung wird vom poetischen Charme der Erzählung, den eigenwilligen Figuren und Weckers Kompositionen getragen.