Wenn Mowgli rockt und Bär Balou steppt

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

29.07.2002

Quelle

dpa

Autor / Interwiever

Wolfgang Heumer

Wenn Mowgli rockt und Bär Balou steppt
von Wolfgang Heumer/DPA

Premiere in Cuxhaven: "Das Dschungelbuch" als Kindermusical

Mowgli ist wieder auf Abenteuertour durch den Dschungel. Vor mehreren hundert Kindern feierte am Samstagabend in Cuxhaven das Musical "Das Dschungelbuch" von Liedermacher Konstantin Wecker und Regisseur Christian Berg Uraufführung. Mit weitaus sparsameren Darstellungen, dafür aber mit eingängigeren Melodien als im Walt-Disney-Zeichentrickfilm faszinierte die Inszenierung auch Erwachsene. Das Musical ist bis zum 18. August in Cuxhaven zu sehen, im Herbst beginnt eine Deutschland-Tournee.

"Ist das hier Cuxhaven?" "Nein!" "Ist das hier der Dschungel?" "Jaaaa!" Ein paar auf Sperrholz gemalte Palmen - mehr braucht Christian Berg nicht, um die Kinder binnen weniger Augenblicke in die tropische Wildnis Indiens zu entführen. Wie schon bei ihren Erfolgsstücken rund um Jim Knopf und den Lokomotivführer Lukas sowie um Petterson und Findus, schaffen es Berg und Wecker, die Kinderherzen im Sturm zu erobern.

Mit Rudyard Kiplings "Dschungelbuch" greift das Duo erneut einen Stoff auf, für den nicht zuletzt auch der Disney-Film Maßstäbe gesetzt hat. Doch Wecker nutzt sein kompositorisches Können, um den "Ohrwürmern" der Vergangenheit Paroli zu bieten. Wenn Mowgli rockt, der Bär Balou steppt und die Schlange Ka rappt, wirbelt die ganze Wildnis. "Die heiße Erde dampft, die wilde Herde stampft. Das gibt es nur im Dschu, Dschu, Dschungel", heißt es da etwa.

Eigentlich spricht die Geschichte über das Findelkind Mowgli, das vor dem Bösen zu den Menschen fliehen muss, für sich. So ist es ein wenig überflüssig, dass Berg und Wecker - wohl für die Ohren der eher begriffsstutzigen Erwachsenen bestimmt - ausdrücklich Parallelen zu den Flüchtlingen von heute ziehen. Und auch die Texte der durchweg mit schönen Melodien ausgestatteten Lieder greifen teilweise sehr stark auf die "Rote-Rübe"-Traditionen der späten 70er- Jahre zurück.

Mehr als aus diesen Texten zieht das Stück seine Stärke aus den schauspielerischen Leis-tungen des kleinen Ensembles. Henriette Grawwert, die schon als Jim Knopf begeisterte, ersingt und ertanzt sich als Mowgli die Liebe des Publikums vom ersten Ton an. Gemeinsam mit Ralf Aschhoff als Balou ist sie der Star des Dschungels, aus dessen Dickicht Berg in den Rollen des Erzählers und des bösen Tigers Shir Khan herausragt.