Konstantin Wecker: Wien ist für mich wie ein Heimspiel

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

11.03.2002

Quelle

Tirol Online

"Endlich bin ich mit diesem Programm in Wien." Konstantin Wecker wirkte am Montag sehr entspannt, als er bei einem Pressegespräch im Cafe Landtmann die Werbetrommel für sein am 17. April stattfindendes Konzert rührte.


Wien (APA) - Daran war nicht nur der strahlende Frühlingstag schuld: "Wien ist für mich wie ein Heimspiel", schwärmte der Bayer, "vom Wiener Publikum hab ich bereits nach meinem allerersten Wien-Auftritt geschwärmt."

Zuletzt absolvierte er hier im Jänner 2000 einen intimen "Liederabend mit Freunden" im Metropol, bei seiner "Vaterland"-Tour stand ihm der Sinn nach mehr: Deren erster Teil führte ihn im Herbst in 34 ausverkaufte deutsche Konzert-Hallen, bei der 25 Städte umfassenden Frühlings-Auflage der Tournee gastiert er nun auch im Wiener Gasometer. Für den Sommer sind drei weitere Österreich-Termine in Waidhofen/Ybbs (30.8.), Graz (31.8.) und Finkenstein (1.9.) in Planung.

"Vaterland" ist das erste Album, das der 54-jährige Liedermacher seit seinen Drogenproblemen und seiner Verurteilung zu zwanzig Monaten Haft auf Bewährung veröffentlicht hat. "Ich habe einige Jahre darauf gewartet, dass eine neue CD passiert. Ich warte ja immer darauf, dass sich ein Thema in mir rührt. Viele Jahre war das nicht der Fall. Wahrscheinlich hatte ich zu viel zu tun mit der eher analytischen Bewältigung meiner persönlichen Probleme. Da war offenbar wenig Platz für Lyrik."

Auch wenn Wecker anders als in seinem Buch "Es gibt kein Leben ohne Tod" seine Drogenerfahrungen nicht in seine neuen Lieder miteinfließen ließ, haben diese auch "Vaterland" mitgeprägt: "Wenn man sein Leben so radikal umgestellt hat wie ich, hat man schon Ängste, dass die Kreativität verloren gegangen sein könnte. Aber ich fühle mich auf der Bühne so wohl wie vor zwanzig Jahren und denke, dass ich mir meine ekstatischen Momente dabei auch in nüchternem Zustand holen kann." Seine Familie, meint Wecker, habe ihm zwar geholfen, im Leben wieder Fuß zu fassen, doch er wollte niemanden als Hilfsmittel missbrauchen: "Man muss es selbst schaffen!"

Das titelgebende "Vaterland" hält der Sänger für einen ebenso abschaffungswürdigen Begriff wie "Patriotismus" ("Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass es, solange es Vaterländer gibt, auch Kriege geben wird."), und auch sonst macht der Sänger zwischen Liebes- und Kinderliedern aus seiner politischen Überzeugung wie stets kein Hehl. Aktuelles baut er mittels einer Wiedererweckung des legendären ´derschlagenen "Willy" ein, dem er über die Anschläge des 11. September und deren Folgen erzählt. In seinem lange vorher geschriebenen Lied "Amerika" beschreibt Wecker sarkastisch die allgemeine US-Gläubigkeit ("Wir jubeln dir von Ferne zu / endlich regiert dich Dabbelju / der wäre uns erspart geblieben / hätt man in Texas abgetrieben") - ein Lied, das Wecker zunächst aus dem Tour-Programm genommen und damit Proteste bei den Fans geerntet hatte. Nun ist es wieder dabei, und durch die Politik der USA sieht sich Wecker seither in dieser Entscheidung immer wieder bestätigt.

Generell hält Wecker die Lage für ernst, aber nicht hoffnungslos. In Deutschland hält er den Gedanken, dass Edmund Stoiber Kanzler werden könnte, "einerseits für fast unerträglich, andererseits könnte es vielleicht einen notwendigen Ruck in der Linken bewirken." Und global setzt er auf das beginnende Umdenken der Unter-Zwanzigjährigen, das er geortet haben will: "Die ´No Logo´-Bewegung finde ich grandios. Es gibt sehr viele Junge, die denken wollen. Das ist keine Null-Bock-Generation mehr!"