Lieber Liebe als Krieg

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

30.11.2001

Quelle

Hamburger Morgenpost

Autor / Interwiever

Christoph Forsthoff

Okay, wir haben verstanden, Konstantin, du willst Klavier spielen und singen. "Ich bin Musiker und nicht Politiker." Also, Erwartungshaltung gleich zum Anfang runter geschraubt, denn "Lieder können die Welt nicht ändern". Vielleicht hast du recht, und doch: Irgendwie wünschte mancher sich in diesen kriegerischen Zeiten Worte, die wach rütteln, einen Aufschrei. So wie früher, als du immer wieder aufgestanden bist gegen Unterdrückung, Hass und Größenwahn. "Man muss weiterkämpfen, auch wenn die ganze Welt einen Arsch auf hat" - nur noch sentimentale Erinnerungen?

Klar, als Familienvater hast du jetzt andere Sorgen. Da parodiert man den "Generationen-Konflikt" mit der eigenen Band in einer amüsanten HipHop-Nummer oder fetzt im "Ambient-heavy-trash-metal-power-pop-Reggae"-Look. Komponiert (wunderschöne!) Gute-Nacht-Lieder für die beiden Buben und widmet sich der Liebeslied-Kultur. Und natürlich muss auch die Kasse stimmen, dafür nimmt man selbst unpassende Lokalitäten wie die ausverkaufte Musikhalle mit Ticketpreisen von 70 Mark in Kauf.

Musikalisch bist du diesen Preis allemal wert, zumal auch deine Band künstlerische Potenz beweist. Jo Barnickel streichelt die Tas-ten ähnlich zärtlich wie du, Gerd Baumann zaubert virtuos auf der Gitarre, Sven Faller brilliert am Bass, Jens Fischer ist Mr. Rhythmus persönlich. Doch ... wo bleibt das Politische? Kotzt es dich so an, dass es grad noch zu ein paar Liedern reicht und einem Zwiegespräch mit "Willy"?

Für ein paar Minuten ist sie da wieder zu spüren, die alte Wut, als du über Trauermanagement, Moralisten und inszenierte Kriegsmythen räsonierst. Laufen Schauder über Rücken, weckst du auch das Aufbegehren in uns. Dann Pause, Licht an, Bockwurst und Brezel. Ein dramaturgischer Fauxpas? Oder bist du das Revoluzzertum leid, sind das nur noch letzte Zugeständnisse an nostalgische Fans? Es wäre schade.