Die Lieder-Pause ist vorbei

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

01.12.2001

Quelle

Märkische Allgemeine

Autor / Interwiever

Gerd Dehnel

Die Lieder-Pause ist vorbei
Seit seinem letzten Album "Gamsig" hat Konstantin Wecker eine ganze Menge gemacht: Die Musik für mehrere gelobte Kinder-Musicals geschrieben, "Pettersson und Findus" kommt als jüngstes im Januar ins Berliner Stella. Er hat Brecht vertont, an einer Schwejk-Adaption mitgewirkt, wofür es mehr Schelte als Lob gab. Er war mit Hannes Wader unterwegs, auch für eine Autobiografie fand er Zeit.

Aber wofür er eigentlich am bekanntesten ist, das dauerte lange. Fünf Jahre brauchte es bis zum neuen Album "Vaterland".Er habe das Gefühl gehabt, erst mit ein paar Problemen fertig werden zu müssen, erklärt Wecker die Pause. Da war die Drogensucht, eine rechtskräftige Verurteilung, der Entzug. "Ich hatte Angst, ich könnte in meinen Texten diese Probleme einfließen lassen", begründet er. "Und ich meine gar nicht die juristischen, sondern ich meine die, die ich mit mir selbst hatte, mit der Bewältigung der Suchtkrankheit und all diesen Dingen. Und das wollte ich nicht. Das hat meines Erachtens nichts zu suchen gehabt in den Liedern.

"Vielleicht hatte die Pause auch damit zu tun, dass der Liedermacher erst die kommerzielle Pleite von "Gamsig" (1996) wegstecken musste. Denn die Tour zur CD mit großem Chor aus Kamerun wurde ein finanzielles Fiasko. "So unmittelbar nach meiner Drogengeschichte wollten mich die Leute nicht auf der Bühne sehen. Das war fast mein finanzieller Sargnagel. Denn der Chor musste untergebracht und ernährt werden über einen langen Zeitraum. "Außer ihm am Klavier sind darum diesmal nur vier Mitstreiter dabei, an Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagwerk. Langweiliger wird´s deshalb nicht, verspricht der Sänger. "Was das Publikum jetzt vom Konzern erwarten kann: Sehr viel Improvisation. Wir wollen musikalisch auch wieder ein bisschen rumspinnen können." Wecker, der Spinner, soll heißen ein Mensch mit ungezügelter Lust am Fabulieren und Philosophieren, kommt auch im Buch zur Tour zum Zuge: "Politisch nicht correct" versammelt in aufwendiger Aufmachung und reich bebildert Passagen aus Interviews seit 1978. Ein Lesebuch voller kluger und streitbarer Reflexionen.. Konstantin Wecker: Vaterland 3. Dezember, 20 Uhr, Philharmonie Berlin.