Vom Drang, geliebt zu werden

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

11.01.2002

Quelle

Rhein-Zeitung

Autor / Interwiever

Wolfgang Kroener

"Ich bin, was ich bin. Ich kann nur von dem schreiben, was ich selbst erlebt habe, und zwar auch körperlich": Konstantin Wecker über Konstantin Wecker. Zur außerordentlich erfolgreichen "Vaterland-Tournee ist ein Text- und Fotoband erschienen. Der Mann, allzeit bereit zu Gesprächen, spricht frank und frei über sich, sein Denken, sein Fühlen, seine Stärken und Schwächen, sein Verhältnis zum Publikum, zur Mutter, zu (den) Frauen, über Religion und Politik, über Zeiten der Sucht und Abkehr von Drogen

Interviews aus zwei Dutzend Jahren geben einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit des Liedermachers. Der 68er, der "glühende" Anarchist, hat nie und nirgends ein Blatt vor den Mund genommen. "Politisch nicht correct", so der Titel des Buches, heißt bei Wecker immer auch: im Sinne wohl situierter, geordneter, braver Bürgerlichkeit überhaupt nicht "correct", generell widerborstig, mit Pauken und Trompeten auf Kontra eingestellt. Aber auch: dem Herzen, den Emotionen, der Sinnlichkeit zugewandt. Wecker ist "Revolutionär" und Romantiker in einer Person.

Schön zu lesen, wie der 54jährige über die Beziehung zu seiner Mutter schreibt: "Sie hat immer noch sehr viel Macht über mich, war mir immer eine unglaubliche Stütze, wenn es ums Schreiben ging." Schön auch zu lesen vom Drang, geliebt zu werden. Wer Wecker-Konzerte besucht hat, weiß, was der Sänger, der Pianist, der Verseschmied damit meint. Nämlich "das erotische Spiel zwischen mir und dem Publikum. Ein Spiel, das "süchtig macht", wovon er nie genug kriegen kann.

Wecker-Konzerte sind "endlos", unter drei Stunden geht da nichts. Das Publikum fordert, er gibt alles, legt immer noch eins zu, - bis der Schweiß in Strömen rinnt.

Das Lesebuch, vom Fahrer, Roadie, Lichttechniker, Tourneebegleiter Günter Bauch herausgegeben, ist optisch sehr reizvoll, layoutmäßig hoch artifiziell durchgestaltet, auf feinstem Papier gedruckt. Die Typografie erscheint dabei streckenweise leicht überzogen, ist mitunter schwer zu entschlüsseln, allzu verspielt. Das schmälert die Gesamtqualität dieses ungemein liebevoll für die große Wecker-Fangemeinde verfassten Werkes allerdings nicht.

Günter Bauch (Herausgeber): "Politisch nicht correct." Doell-Verlag, 159 Seiten, 29,65 Euro