Konstantin Weckers Klaviatur der Kritik

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

07.11.2001

Quelle

Nürnberger Zeitung

Singen und Klavierspielen in Zeiten des Terrors, unbehelligt vom Krieg in Afghanistan, ganz so als wäre auf der Welt alles im Lot? Für viele Künstler wäre die Rückkehr zur Normalität sicher kein Problem - anders aber bei Konstantin Wecker. Der Liedermacher, der seit Jahrzehnten politisch unbequeme Texte schreibt, hält auch jetzt nicht still: Beginnt sein überwältigendes Konzert am Montagabend in der gut besuchten Nürnberger Meistersingerhalle mit dem Titelsong seiner aktuellen CD "Vaterland" - ein Abgesang auf den Hurra-Patriotismus, der sich in Deutschland wieder breit zu machen droht.

Natürlich, die Nachrichtenlage gibt das Programm vor. Bei diesem Auftritt überwiegt der politische Wecker: Der gute alte "Willy" darf nach einem Vierteljahrhundert noch ein Mal aus dem Grab steigen, und klingt - ein bisschen überarbeitet - so aktuell wie nie zuvor. Auch Weckers Songs gegen Ausländerfeindlichkeit stehen ganz oben auf der Liste: Titel wie "D´Zigeiner san kumma" oder der kollektive Aufruf "Sag nein!" - kritische Zeilen, die die Fans dankbar in sich aufsaugen, und mit heftigem Applaus quittieren.

Aber Wecker wäre nicht er selbst, würde er völlig auf die poetischen Stücke verzichten. Zur Auswahl stehen dem 54-jährigen Sänger und seinem hervorragenden Quartett mehr als genug: Mit "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist" oder "Ich lebe immer am Stand" sucht er ein paar seiner besonders lyrischen Songs aus. Und: Weckers Stimme klingt immer noch wie auf den Original-Aufnahmen, mal ganz geschmeidig und beim nächsten Stück so brachial wütend und kraftvoll.

"Ich möchte in den Herzen eine andere Welt schaffen", sagt Wecker zu Beginn. Nach fast drei Stunden ist ihm dies wieder einmal gelungen. sc