Konstantin Wecker: Wie Phönix aus der Asche

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

14.11.2001

Quelle

Lindauer Zeitung

Autor / Interwiever

Susanne Donner

Mit seiner neuen CD "Vaterland" ist er auf Tour. Bissig und zynisch wirft er sich mit der gleichen Intensität auf aktuelle Themen, knallhart und mutig so wie wir es von jeher von ihm gewohnt sind. Ja, er ist ein paar Jahre älter geworden, aber es steht ihm gut, dem "Grand Senior" der deutschen Liedermacher-Elite. Konstantin Wecker...er hat den passenden Namen, denn er ist ein Aufrüttler, ein Wachmacher.

Seine intensive, faszinierende Ausstrahlung ist mit geschlossenen Augen spürbar. Mit seiner sonoren und kraftvollen Stimme entführt er in die Welt der Barden, der Geschichtenerzähler. Und er hat viel zu erzählen. Gebannt hängen in Lindau 900 Konzertbesucher an seinen Lippen und höhren seine Geschichten, die er singt, spielt, flüstert oder in die Welt hinausschreit. Eindringlich und geheimnisvoll hüllt er seine Zuhörer ganz in seine Gedankenwelt.

Konstantin Wecker kleidet Gedanken in Worte, die bewegen. Er prangert den Waffenhandel an "beim Krieg geht´s immer nur um´s Geldverdienen!" und die Weltpolitik, er geht hart mit unserer Gesellschaft ins Gericht, mit unserem System. Mit begeistertem Szenenapplaus bestätigt ihn das Publikum, und wird von ihm in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt.

Wecker singt sanfte und sentimentale Liebeslieder, zelebriert mit seiner exzellenten Band (Jo Barnikel - Keyboards, Gerd Baumann - Gitarre, Jens Fischer-Rodrian - Percussion und Gitarre, Sven Faller - Kontrabass) ein Festival an Melodien und Tönen, greift tief in die Melancholie-Kiste oder rappt und grooved ausgelassen mit seinen jungen Musikern zu einer Art "Ambiente Heavy-Pop-Metall-Power-Rapp" (oder so) über die Bühne.

Bis er ganz außer Atem zu einem ruhigeren Lied flüchtet. "Leben ist Brücken schlagen!" und die schlägt Wecker. Brandaktuell bespricht er die Geschehnisse des 11. Septembers mit seinem Freund Willy. Er sticht mit ausgestrecktem Zeigefinger mitten ins Auge der Demokratie, der Politiker und jedem einzelnen Konzertbesucher. Er macht betroffen und legt die Verantwortung für die ganze Welt in die Hände jedes einzelnen.

"In Afghanistan gibt es nichts mehr zu zerstören, als das Leben vieler Kinder!" In Konstantin Weckers Augen glitzern Tränen und im Publikum reiben sich viele verstohlen die Augen. Und das ist es wohl auch, was er im Sinn hat, sein Publikum zu bewegen, und dadurch etwas zu bewegen. In all seinen Jahren als Künstler ist er sich selber treu geblieben, hat nichts von seiner Ausstrahlung verloren. Unter den Fans in Lindau sind einige, die schon seit 25 Jahren treue Wecker-Anhänger sind. Und die bestätigen: "Konstantin Wecker wird mit den Jahren immer noch besser. Wie ein guter Wein!" Spontan und lebendig ist er. Bei Wecker gibt es nicht nur grauen Weltschmerz, sondern auch bunte, heitere Fröhlichkeit, gespickt mit feinem Witz und gewürzt mit einer gewaltigen Prise Ironie.

Er kreiert, wie ein guter Koch, die richtige Mischung, damit es einem nicht zu schwer um´s Herz wird. Bittersüße Poesie verpackt in heiter plätschernde Melodien ("Novemberlied"), zynische, böse Texte gemixt mit flottem Comedian Harmonists-Sound ("Es geht uns gut")

Konstantin Wecker umspült uns mit einer Woge aus Melancholie und unendlichem Tiefgang, lässt uns wie auf Adlers Schwingen mit den Klängen der perfekt und harmonisch gespielten Instrumente und seiner fast schon erotischen Stimme entschweben. Er singt gegen Rassismus, Krieg, Faschismus und Vorurteile und fordert in seinem Abschiedslied auf: "Sag Nein!"

Doch das Publikum sagt "Ja!", zu Wecker und will "Mehr!". Und Konstantin Wecker gibt eine Zugabe nach der anderen. Nach einem zärtlich und einschmeichelndem "So lieb´ ich dich!" verabschiedet sich der gefeierte Künstler endgültig.