Klare Plädoyers

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

16.11.2001

Quelle

Münchener Merkur

Autor / Interwiever

Maria Neidlinger

Ein Konzert von Konstantin Wecker ist nicht einfach nur musikalische Unterhaltung. Eben auch, aber wie Wecker sein Publikum einnimmt, es verführt und mitnimmt auf seine Reise ins Ich und in die Welt, gleicht es einer musikalischen Demonstration gegen Krieg, geistige Engstirnigkeit und mediale Verblödung. "Steh auf!" fordert er vom Klavier aus und sein Publikum solidarisiert sich, saugt die ironischen, bissigen und traurigen Texte auf, steht auf und fordert neun Zugaben.
Wecker und seine Band lassen sich nicht lange bitten. Mit "Vaterland" eröffnet Wecker den Abend im Circus Krone, dunkel und schwer ist die Musik, "ich kann den Ausdruck Vaterland nicht lieben und nicht hassen" singt er. Wecker macht weiter, macht aus Bush in "Amerika" einen dumpfen Militaristen, singt den "Waffenhändler-Tango", verhöhnt Börsianer. "Warum soll ich mein Programm ändern? Ich singe seit 30 Jahren gegen Hexenverbrennung, Intoleranz und Faschismus sowie für Miteinander, Liebe und Toleranz", sagt Wecker.

Vor der Pause hält er ein politisches Plädoyer gegen den Krieg. Die Terroranschläge, die grausame militärische Antwort, das Leid der Bevölkerung: "Wir wollen nicht weiter denken, da wir sonst unser eigenes Leben überdenken müssten?"
Bevor es zu pathetisch wird, lässt Wecker seine Band ran. Jens Fischer-Rodrian zeigt Wecker, wie aus seinen alten Stücken "Ambient-Heavy-Metal-Trash-Songs" werden, tanzt mit ihm Twist und singt Hip-Hop. Da vergisst Wecker schon mal den Text, sucht die Brille und blättert in seinen Unterlagen nach. Das erzählt er einfach im Sprechgesang und das Publikum lacht erleichtert nach der vielen schweren Kost. Dann greift Gitarrist Gerd Baumann zur Trompete, übernimmt Keyboarder Jo Barnikel die Führung und Bassist Sven Faller spielt ein Solo. Zum Schluss noch eine Einlage, in die nur das Münchner Publikum während der Wecker-Tournee kommt: bei einer Zugabe schleicht sich der Trompeter Peter Tuscher auf die Bühne. Beste Musik-Unterhaltung eben.