Poetisch, bissig und bitterböse

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

23.10.2001

Quelle

Thüringische Landeszeitung

Weimar. (tlz) "Er ist wie damals": dieser Meinung waren am Sonntag viele im Publikum, die Konstantin Wecker vor 16 Jahren, im Sommer 1986, in der alten Weimarhalle erlebt hatten. "Er ist wie damals" heißt: Voller Energie, bissig, manchmal bitterböse, dann wieder melancholisch und sehr poetisch.

Erst nach drei Stunden Konzert verließ er die Bühne der bis auf den letzten Platz ausverkauften Weimarhalle, eine Stunde lang brachte er Zugabe um Zugabe. Die immer wieder mit Standing Ovations bedacht wurden. Das Publikum klatschte, trampelte und pfiff - und wünschte sich die alten Titel.

Ob er sein Programm nach den Terroranschlägen vom 11. September umstellen müsse: "Denen, die mich das fragten, habe ich gesagt: ,Wieso, ich singe schon seit 30 Jahren gegen Krieg, Faschisten und Terror." Sein Zwiegespräch mit "Willi", dem Titel, der ihn einst berühmt machte, geriet zur Abrechnung mit dem "öffentlichen Trauermanagement" in Deutschland. Das, was er sagt, geht unter die Haut, brachte ihm immer wieder Zwischenbeifall ein.

Wecker wäre nicht Wecker, wenn er nicht wetterte gegen "die da oben", den Zeitgeist, Oberflächlichkeit. Das Schöne ist: Er bleibt dennoch Poet und "Singt, weil er ein Lied hat, nicht weil es Euch gefällt". Auf den Plakaten steht "politisch unkorrekt". Das verbindet ihn ganz offensichtlich mit seinem Publikum, das seine Geradlinigkeit und seinen Standpunkt teilt.