Noch immer setzt er sich für die Schwachen ein

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

31.10.2001

Quelle

General-Anzeiger Bonn

Autor / Interwiever

Sabine Fringes

Wenn Konstantin Wecker nach fünfjähriger Pause die Bühne wieder mit seinen eigenen Songs betritt, dann steht hinter ihm zugleich eine "ganze Menge Leben". Da sieht man den lyrikbegeisterten Gymnasiasten, den rebellierenden Jüngling, den bodygebildeten Frauenhelden, den koksenden Lebemann, den verzweifelten Gefängnis-Insassen und den langsam sich vortastenden Neuanfänger.

Am deutlichsten tritt freilich bei dem 54-Jährigen mit dem ordentlichen, grau melierten Haar und der silbernen Brille der Vater in den Vordergrund. Das Väterliche, Vertrauliche sorgte auch für den Funken, der mit Weckers unprätentiösem Auftreten sofort auf das Publikum in der voll besetzten Halle des Brückenforums übersprang.

"Lehn dich zurück, entspanne dich, ich habe schon für dich gedacht", scheint die trotz leichter Heiserkeit warme und runde Tenorstimme von Wecker dem Publikum zu sagen. "Vaterland", so lautet auch treffend der Titel seiner Tournee, mit der er Lieder aus seinem gleichnamigen neuen Album vorstellt.

Wecker kritisiert Rüstungsindustrie und Intoleranz, setzt sich wie früher für die Schwachen ein und macht seinem Publikum weiterhin Mut, Nein zu sagen. Und er spricht mit seinem Freund Willi über die veränderte Welt nach dem 11. September. Doch neben dem Vater Wecker tritt zugleich auch stärker als früher der Bub auf die Bühne. Der begabte Bub aus Bayern, der die Dinge mit einer guten Naivität betrachtet, sie so - ohne Müdigkeit und Resignation - noch einmal quasi von vorne beginnend laut fürs Publikum überdenkt.

Lebendig und frisch agierte auch seine Band, darunter besonders der Perkussionist Jens Fischer-Rodrian. Ein fröhlicher Fraggle hüpfte da hinter seinem Schlagzeug auf und ab und heizte alleine schon durch seine Präsenz und Ausstrahlung die Improvisationen von Wecker und seiner Band an.

Sehnsüchtig erklatschten sich die Zuhörer aller Altersstufen etliche Zugaben im Beueler Brückenforum, sie wollten noch mehr Musik hören von einem, der das Leben intensiv mit seinen Höhen und Tiefen auskostet.