Er bleibt seinem Stil treu

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

15.10.2001

Quelle

Neue Westfälische

Autor / Interwiever

Ariana Mirza

Bielefeld. Mit einem freundlichen Lächeln und einem verschmitzten Augenzwinkern begrüßt Konstantin Wecker seine Fans. Bielefeld ist die erste Station der zweimonatigen Tournee "Vaterland", die ihn durch die gesamte Republik führen wird. Nach fünfjähriger Pause meldet sich Wecker mit neuen und alten Liedern zurück. Die Veranstaltung in der gut besuchten Bielefelder Oetkerhalle gerät zum grandiosen Comeback des Künstlers.

Mit stehenden Ovationen belohnt das Publikum den 54-jährigen Wecker und seine junge Band für eine musikalisch einfallsreichen und politisch brisanten Abend. Wecker präsentiert ein Programm, in dem es an klaren Statements nicht mangelt. Immer wieder nimmt er zu den derzeitigen Ereignissen Stellung. Er mahnt, unterbrochen von spontanen Beifallsbekundungen, an Zivilcourage und Menschlichkeit. Der "bayerische Dissident" kritisiert unverhohlen Kriegstreiberei und bigotte Heuchelei. Viele seiner frühen Stücke erhielten jetzt eine neue Aktualität, erklärte er dem aufmerksamen Publikum. Und so ist "Im Namen des Wahnsinns", ein vor 30 Jahren geschriebenes Lied, nicht das einzige ältere Werk, das Wecker für sein Tourneeprogramm neu interpretierte. In Weckers neuen Texten tritt die Gesellschaftskritik trotz idealistischer und kritischer Töne weniger offensiv zutage. Hier setzt sich der Liedermacher mit seiner eigenen Egozentrik und Themen wie Liebe und Tod auseinander. "I glaub i werd alt" singt er fröhlich zerknirscht - und einige im Publikum wissen, was er meint. Genauso zielsicher trifft der Mittfünfziger einen Nerv, als er die musikalische Horror-Vision entwirft, sein Sohn könne eines Tages als RTL2-Moderator enden.

"Ich muss auch mal was für junge Leute machen"

Dass die Veranstaltung nicht zum gemütlich-pathetischen 68er Revival missrät, ist Weckers Authentizität und den frischen Tönen seiner Musiker zu verdanken. In den neuen Arrangements kommt die Spielfreude nie zu kurz, ob sphärisch-meditativ oder im Boogie-Rhythmus begleitet, die Wecker Songs werden spannungsvoll und abwechslungsreich dargeboten. "Meine Musiker haben mir gesagt, ich muss auch mal was für junge Leute machen", sagt Wecker und präsentiert seinen Hit "Ihnen fehlt der Experte für die genügende Härte" in einer "Heavy Metal-Trash-Reggae" Vision. Doch zur Freude des Publikums bleibt der Liedermacher seinem Stil treu. Mal melancholisch poetisch, mal derb kämpferisch erhebt er die Stimme gegen Ignoranz und Selbstzufriedenheit. "Wir sind alle verantwortlich für die ganze Welt", appelliert er ans Publikum. Viele hören ihm wieder zu.