Liedermacher küßt man nicht

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

07.07.2001

Quelle

Münchener Abendzeitung

Autor / Interwiever

Arno Frank Eser

Wer zusammenführt, was nicht zusammengehört, kann ganz schön scheitern. Doch erstaunlich: Wenn das bayerische Kraftpaket Konstantin Wecker mit dem spröden Nordlicht Hannes Wader musiziert, wirkt das ganz natürlich und selbstverständlich. Die 4000 Fans im ausverkauften Tollwood-Zelt waren zu Recht hellauf begeistert.

So zeigte jede der beiden Liedermacher-Ikonen ihr Bestes; abwechselnd, füreinander und auch miteinander. Wecker, endlich wieder ganz der alte, an Gewicht und Erfahrung reiche präsentierte Dauerbrenner wie "Genug ist nicht genug". Wader, in Ehren ergraut und stoisch wie immer, zog seine Friedensbewegungs-Hymne "Es ist an der Zeit" hervor. Musikalisch am interessantesten: Wecker mit seiner HipHop-Fassung von "Staatsanwälte küsst man nicht" im Duett mit Human-Beat-Box Jens Fischer. Der deutliche Respekt vor dem künstlerischen Schaffen des jeweils anderen ließ auch persönliche Frotzeleien zu, sehr zur Freude des Publikums: "Ihr wißt ja", so Wader, "Konstantin ist Vegetarier. Jahre lang ernährt er sich von den Extrakten der Koka-Pflanze."

Wader, der philosophierende Moralist an der Gitarre, und Wecker, der Lebemann und Entertainer am Piano - ihre Message ist trotz der verschiedensten Arten der Umsetzung wohl die gleiche. Dass sie ihren nimmermüden Kampf für eine bessere Welt inzwischen mit Witz und Selbstironie führen, macht sie besonders stark.