Was für Nächte

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

02.08.2001

Quelle

Kölner Stadt-Anzeiger

Autor / Interwiever

Günter Hochgürtel

Nacht der Liedermacher Hoffnung auf eine bessere Welt immer noch nicht aufgegeben Eifel/Monschau - Hannes Wader wird sich am Dienstagabend so ein bisschen an Pfingsten 1966 erinnert haben. Damals sang er als Liedermacher-Neuling beim inzwischen legendären Waldeck-Festival mit so berühmten Kollegen wie Franz-Josef Degenhardt, Reinhard Mey und Hanns-Dieter Hüsch. Zwischen dem Waldecker Auftritt und dem jetzigen Konzert auf der Monschauer Burg liegen immerhin 35 Jahre. Aber es lohnt nach wie vor, sich auf seine Lieder einzulassen, seinem filigranen Gitarrenspiel und seiner wohl tönenden Stimme zuzuhören. Erst recht an einem lauen Sommerabend. Die "Monschau-Touristik" hatte mit der "Nacht der Liedermacher", die zwischen den Opernaufführungen "Rigoletto" und "Troubadour" platziert wurde, ein gutes Näschen bewiesen. Denn die rund 1400 Plätze rund um die Freiluftbühne der Burg waren restlos ausverkauft. Das lag nicht zuletzt am zweiten Star des Abends, an Konstantin Wecker. Der hatte in den vergangenen Jahren mehr Schlagzeilen durch seine Kokain-Eskapaden und den anschließenden Gefängnis-Aufenthalt gemacht als durch neue Lieder. An musikalischer Potenz hat er in dieser Zeit jedoch nichts eingebüßt.Mit dem Allan-Taylor-Cover "Gut, wieder hier zu sein" eröffneten Wader und Wecker den Abend. Die beiden so unterschiedlichen Künstler - Wader eher bodenständig, Wecker mehr der Draufgänger - harmonierten auf wunderbare Weise miteinander. Möglicherweise, weil sie den gleichen schrägen Humor haben. Waders Hits wie "Heute hier, morgen dort" oder "Es ist an der Zeit" wurden vom Publikum ebenso bejubelt wie Weckers "Vaterland" und "Genug ist nicht genug".Dritter Mann im Bunde war der Pianist Jo Barnikel, der sozusagen als Klammer zwischen den beiden Solisten fungierte. Schon nach einer Viertelstunde war klar, dass sich weder Wader noch Wecker von ihren politischen Idealen verabschiedet haben.In einem Zwiegespräch mit dem berühmten "Willi", den sie seinerzeit "derschlag´n ham", zog Wecker eine ernüchternde Bilanz der deutschen Wirklichkeit. Fazit: Umweltverschmutzung und Armut in der Dritten Welt interessieren niemanden wirklich, und die Börsianer feiern rauschende Feste.Klar, dass Wecker bei dieser Gelegenheit eine Lanze für seinen 68er-Kollegen Joschka Fischer brach. Untermalt von kraftvollen Akkorden auf dem Bösendorfer-Flügel, mokierte sich der Bayer darüber, dass mittlerweile die Besenkammerspiele von pensionierten Tennisstars in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit erregen als die Entlassung von 1000 Arbeitern. Das Monschauer Publikum - ungefähr die Hälfte kam aus dem Kreis Euskirchen - spendete Zwischenapplaus, wenn Wader und Wecker in ihren Liedern zum tausendsten Mal den Irrsinn des Krieges oder Ausländerfeindlichkeit anprangerten. Eine Schande nur, dass den Sängern dieser Generation im Zeitalter von MTV und Viva nicht mehr jene Aufmerksamkeit zuteil wird, die ihnen eigentlich gebührt. Die Franzosen gehen da mit ihren Chansonniers wesentlich respektvoller um.Während der erste Teil des Konzerts mehr ernsthaften Charakter hatte, gab es nach der Pause viel zu lachen. Zum Beispiel bei Waders Hommage an "Ankes Bioladen". "Kokain", ein Titel aus Waders Anfangsjahren, eignete sich angesichts von Weckers Drogen-Vergangenheit natürlich bestens für einen ironischen Rückblick.Und man ist richtiggehend dankbar dafür, dass die alten Liedermacher immer noch unterwegs sind und ihre Vision von einer besseren Welt noch nicht aufgegeben haben zugunsten eines kultivierten Zynismus.Es gab frenetischen Applaus und etliche Zugaben. Einzige kritische Anmerkung: Ein paar mehr Musiker könnten Hannes Wader und Konstantin Wecker auf ihrer nächsten Tournee schon mitnehmen. Das würde die Sache sicherlich noch etwas runder machen. Liedermacher Hannes Wader und Konstantin WeckerZwei lebende Legenden des politischen LiedsVon Oliver Geschwind, Bonner Rundschau vom 2.8.2001Den ungebändigten Lebenshunger des einen und die fast schon melancholisch wirkende Andächtigkeit des anderen sorgten am Dienstagabend für einen wahren Ohrenschmaus für Musikfreunde. Hannes Wader und Konstantin Wecker liefen bei der Monschauer Nacht der Liedermacher zu Höchstform auf und präsentierten anstelle eines schnöden Revivals die pralle Freude am Leben.Mal still und gefühlvoll, mal energiegeladen und fast schon brutal machten die beiden Musiker deutlich, dass die Zeit der großen Liedermacher noch lange nicht vorbei ist.Dabei haben sich die beiden nie den neuesten Trends verschrieben. Vielmehr entwickelten sie ihre eigenen Stile, die bis heute zahlreiche Klassiker deutscher Musikkultur hervorbrachten.Vor zwei Jahren, als beide spontan in einer Fernsehsendung zusammen sangen, wurde der Grundstein für die erfolgreichen Auftritte zu zweit gelegt. Zwar ist schon jeder für sich eine Legende, gemeinsam aber sind sie eine Sensation.Dabei wirken Wecker und Wader zunächst grundverschieden: Der eine voll süddeutscher Lebenslust und Hintersinnigkeit am Klavier, der andere mit norddeutschem Charme und Poesie an der Gitarre. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Lust am geschliffenen politischen Wort, das sie vorzüglich mit melodischen Songs zu verquicken wissen.Ob Genug ist nie genug bei Wecker oder Heute hier, morgen dort bei Wader die Liedermacher verstehen ihr Handwerk und wissen genau, wie man ein Publikum von den Stühlen reißt. So auch in Monschau, wo mehr als 1400 begeisterte Gäste hautnah erleben konnten, wie die beiden Politik und Gesellschaftskultur besangen. Wecker, der seinem Piano mit fortschreitender Uhrzeit mehr und mehr Leben einhauchte, erhielt dabei Unterstützung vom Nürnberger Keyboarder Jo Barnickel.Gemeinsam ließen die drei die Zeit der großen Liedermacher aufleben und verwöhnten ihr Publikum mit kraftvollen, anspruchsvollen und sensiblen Texten. Geboten wurde keine bunte Revue, in der mal der eine, mal der andere zu Wort kam. Vielmehr bewiesen beide, dass sie ihre Gegensätze zu vereinen wussten und daraus ein geschlossenes Programm flechten konnten.Doch nicht nur die tiefsinnigen Texte bestachen am Dienstag, auch die Fertigkeit der beiden, mit ihren Instrumenten zu verschmelzen, dürfte heutzutage ihresgleichen suchen. Wecker, der auf den Tasten seines Klaviers fast schon wie ein Wiesel herumsauste, behielt bei dem nordisch/bayerischen Auftritt zumindest was die Lautstärke anging stets die Oberhand. Wader dagegen bestach mit seiner Stimme, die sich in die Seelen brannte.Doch genau dieser Gegensatz machte den Reiz des Zusammenspiels der beiden Recken aus, die jede Mark der Eintrittskarten wert waren.Hannes Wader und Konstantin Wecker füllten die Open Air-Ränge Lieder für eine bessere Welt Raimund Palm, Aachener Nachrichten, 1.8.2001 Monschau (an-o). Selbst der Mond, so schien es, verharrte über der Monschauer Burg, um zu hören, was Wecker und Wader zu singen und zu sagen hatten. Die "Nacht der Liedermacher" setzte in der Monschau-Klassik einen neuen Höhepunkt. Die "Nacht der Liedermacher" - ein exquisites Kontrastprogramm zur klassischen Opernmusik und Operngala.Im Hof der Monschauer Burg hatten sich am Dienstagabend so viele Menschen versammelt wie zuvor noch auf keinem Fest der Klassik. Die 1350 Sitze reichten bei weitem nicht aus, um allen Besuchern einen Platz zu bieten. Vor der Tribüne wurden weitere Stuhlreihen aufgebaut, doch so mancher musste sich mit einem Stehplatz begnügen.Konstantin Wecker und Hannes Wader, zwei der bedeutendsten deutschsprachigen Sänger und Songwriter setzten in den Monschauer Festspielen neue Akzente und Maßstäbe. Das Publikum stampfte am Ende den Beifall mit den Füßen und forderte mehrere Zugaben.Eine dieser Zugaben von Konstantin Wecker, dem Bayern und Alt-68er: Amerika, Amerika. In diesem Lied greift Wecker Präsident Bush und die Wiederaufrüstung an und meint: "Da wird gebombt für Freiheit und Demokratie." Konstantin Wecker (Jahrgang 1947) ist mit seinen Liedern der Revoluzzer, der aufbegehrt, der (vielleicht etwas zu viel) anklagt und vorführt, verurteilt, etwa die Moral und die Selbstgerechtigkeit der Politiker. "Immer wenn Moral im Spiel ist, steckt ein handfestes Interesse dahinter." Heftig in den Angriffen auf verlogene Moral und gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur das Zwiegespräch mit "Willy" im Jenseits: Hinter jedem Fetten stehen ein paar Ausgehungerte.Auch RomantikerDass er aber auch Romantiker ist, zeigt Konstantin Wecker mit dem Evergreen "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist". Immer wieder stellte sich Konstantin Wecker als Virtuose am Klavier vor.Hannes Wader (Jahrgang 1942) ist feinfühliger, tiefsinniger, melancholischer. Die Weichheit seiner Stimme, das meisterliche Spiel auf der Gitarre spricht sofort an, trifft die Zuhörer in ihrem Denken und Empfinden. "Vaters Land", nach einer alten Silcher-Melodie mit einem neuen Text, der mahnt, mit "falschem Stolz Deutscher zu sein". Ein alter und bekannter Wader-Song gegen die Unruhe, die Hektik dieser Zeit: Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort.Gemeinsam zeigten Wecker und Wader ihrem Publikum - vorwiegend der alte eingesessene Fanstamm - den Rhythmus der Jugend: Per Knopfdruck setzte Konstantin Wecker seinen Spielzeug-Drummy in Betrieb und machte aus "Ihnen fehlt der Experte" einen Deutsch-Rap mit Rock-Einlagen á la ACDC-Ikone Angus Young.Liedermacher wie Wader und Wecker sind wie "Propheten der Gegenwart", die den Menschen den "Spiegel der Zeit" vorhalten und hinter diesem Spiegel eine erschreckende Welt voller Angst, Leid und Ungerechtigkeit zeigen. Konstantin Wecker und Hannes Wader kämpfen mit ihren kraftvollen wie sensiblen Texten leidenschaftlich für eine bessere Welt. Nicht zu vergessen bei diesem Konzert: Jo Barnwinkel aus Nürnberg, ein exzellenter Könner am Keyboard.Stehende OvationenDie "Nacht der Liedermacher" endete um Mitternacht mit stehenden Ovationen und mit einem alten schottischen Volkslied, in das viele Zuhörer still für sich einstimmten: "Should auld acquaintance be forgot" - Nehmt Abschied Brüder, wer weiß, was uns die Zukunft bringt. Was aber nach dieser Nacht zur Zukunft gehört: die Monschauer Festspiele, die am Freitag und Samstag mit "Il Trovatore" wieder klassisch werden.