Nachdenklicher Romantiker

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

15.06.2001

Quelle

Münchener Merkur

Autor / Interwiever

Marion Friedl

Garching/Kirchheim
Alte Hits neu arrangiert und mit neuen Liedern kombiniert - und heraus kommt ein Meisterwerk à la Konstantin Wecker. Und das obwohl ihm die Zusammenstellung des Tourprogramms 2001 nicht leicht fiel. Ein "leises, poetisches Programm" wollte er kreieren - und das "ohne Koks, mit zwei Kindern und dann noch das Liebesgesülze". Man hat´s eben nicht leicht, aber es klappte: Konstantin Wecker begeisterte in Kirchheim und in Garching mit einem Repertoire, das voller melancholischer, nachdenklicher und romantischer Töne war.

Trotzdem entbehrte die stimmige Mischung nicht nachdrücklicher, energischer Klänge und der Prise politischer Würze. Der Funke sprang über; die Stimmung im ausverkauften Bürgerhaus Garching war grandios.
Gekichert und gelacht wurde beim Uralt-Titel "Du bist so hässlich, dass ich´s kaum ertragen kann". Rund 30 Jahre ist dieser Song alt, wegen dem ihn die Freundin verlassen hatte. Erinnerungen an einst - und zwischendrin flirtet er mit dem Publikum: Er wirft vielsagende Blicke in die erste Reihe, während die Finger wie nebenbei über die Pianotasten gleiten.
Plötzlich singt er "Jetzt hab´ ich doch mein Herz verloren" und meint am Ende doch, dass jeder sein Herz behalten sollte, denn "wer weiß, wie sehr Du mich mit meinem liebst". Wenn Konstantin Wecker dann noch den Musikgeschmack der Jugend vorführt, auf einem 45-Mark-Plastikkeyboard klimpert und wild über die Bühne rockt, fetzt und springt, brodelt es im Saal.
Sein Leben in Liedern breitete Konstantin Wecker aus und das mit Hingabe, elektrisierender Interpretation und mit einer fast spürbaren Freude am Musikprogramm, das er mit den Könnern Jo Barnikel (Hammondorgel) und Jens Fischer (Percussion und Gitarre) bestritt.
Erneut wurde deutlich, welch hervorragender Texter Konstantin Wecker ist. Die Texte haben Tiefgang, Aussage und zugleich malt Wecker mit Wörtern Bilder.
Beim Blättern im Liederalbum stieß man auf Liebeslieder, auf die Filmmusik zu "Dr. Schwarz und Dr. Martin" und Brecht-Songs - und natürlich auch auf die kritischen, politischen Gedanken des Konstantin Wecker. In die Jahre gekommen und dennoch aktuell ist da der Song "Leben ist Brücken schlagen über Ströme, die vergeh´n", der zur Zeit der Wiedervereinigung entstanden ist.
Und topaktuell ist die ironisch-böse Liebeserklärung an "Amerika". Ein paar Textzeilen sagen alles: "Jeden zieht es zu Dir hin...
Auch ich wär´ gern von Dir versklavt, aber ich darf nicht, denn ich bin vorbestraft...
Bush ist kein großer Denker, dafür ein Freund der Henker..., aber Deine Schuhe Nike, die like i. "Das ist Konstantin Wecker, wie ihn die Fans aller Altersgruppen lieben - zu Recht, denn er ist und bleibt ein großer Künstler. Marion Friedl