Hier denkt nur der Chef

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

15.06.2001

Quelle

Münchener Abendzeitung

Autor / Interwiever

Marianne Reißlinger

Konstantin Weckers Musical "Schwejk it easy" wurde in Berlin uraufgeführt.
Musical und sonstiges Entertainment als Wirtschaftsfaktor ist derzeit in Berlin ein kontrovers diskutiertes Thema. Und die Frage, ob das subventionswürdig sei, stellt sich der Kultursenator besonders oft, tendiert zum Nein bei seinem Theater des Westens. Das Orchester hat er schon weggespart, ein Investor ist in Sicht. Ob es sich Christoph Stölzl jetzt vielleicht noch einmal anders überlegt? Nicht nur, weil der Schwejk ihm gesagt hat: "Zum denken benutzt der Beamte seinen Vorgesetzten."Vielleicht haben ihn Jubel und der Glamour Auftrieb aus der Film-, Theater- und Entertainment-Szene die sehr typische Berliner Tradition dieses Theaters des Westens in Erinnerung gerufen...
Von Brigitte Mira über Horst Buchholz, Atze Brauner bis zu Judy Winter und Udo Lindenberg kamen sie alle, selbst Münchens "Mosi" reiste (ohne Hund) zu Jaroslav Haseks Hundehändler, zum braven Soldaten Schwejk, der nun im Musical zu treffen ist: Zur Uraufführung von "Schwejk it easy!" - was so etwa meint, trag´s mit Fassung, bleib sauber und zur rechten Zeit "amtlich blöd". Eine Parodie (Buch und Songtexte haben Pfiff) auf Beamte, Political wie die Sexual Correctness, die aus dem Soldaten Schwejk kein Film-Revival macht; Schwejk wird zum Leitmotiv im anderen Genre.
Konstantin Wecker (Musik/Songtexte), Peter Blaikner und Michael Korth (Buch/Songtexte), Elmar Ottenthal (Inszenierung), Annett Hunger und Monika Jocher (Bühne), Andrea Kleber (Kostüme) und Mary Adelyn Kauffman(Dirigentin/Arrangements): Dieses Team hat aus dem Klassiker der Literatur ein echtes Musical gemacht. Ein bisschen schrill, ein bisschen Comic, ein bisschen Astro-Look; nur die Choreographie von Danny Costello schwächelt.
Amtlich blöd überleben
Der Plot rankt sich um Schwejk-Sentenzen (von Peter Fröhlich oft präziser, griffiger ergänzt), meint aber ziemlich deutlich das Irrenhaus DDR, den Kommunismus samt der Wende zum Kapitalismus, den es jetzt zu überleben gilt. Immer wieder taucht Schwejk - Peter fröhlich spielt und singt diese Rolle fern aller Vorbilder als weisen Lebenskünstler von heute - auf und holt ausgeflippte auf den Teppich. Mir Erfolg natürlich erst am Ende.
Die Show hat Drive, Tempo (die eins, zwei Durchhänger lassen sich ausmerzen) und totale Perfektion. Und Konstantin Wecker beherrscht sein Metier glänzend. Sicher, erbediert sich in der gesamten amerikanischen, englischen und west-europäischen Musical Szene, aber seine Mixtur aus Rock, Metal, Soul, Gospel, Blues, Marsch-Verfälschungen und Love-Sounds (Live und vom Band) ist eben doch keine Kopie. Die Misk ist ein originaler Wecker, und sie leistet sich sogar den Luxus von musikalischer Charakterisierung - und echten Songs. Im virtuosen Sänger- und Tänzer-Ensemble sind Sissy Staudinger (Wirtin Dienstbier), Nadine Hammer (Schwejk-Liebhaberin Anika), Hans Alberts (Polizist Brettschneider) und Michael Knese (GoGo-Man) die Spielmacher um Schwejk. Und der Hund? Hat nur einen Auftritt - und ist aus Plüsch.