Das pralle Leben

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

05.07.2001

Quelle

Münchener Merkur

Alles Lüge. Wenn Konstantin Wecker behauptet, der Markt für Liedermacher sei so eng geworden, dass er und Hannes Wader aus ökonomischen Gründen beschlossen haben, sich zu lieben und gemeinsam zu spielen, ist das aber mehr als nur Untertreibung. Es klingt der Protest gegen eine überfütterte Zeit an, die selten so bewegend formuliert worden ist und 4000 Leute auf Tollwood von den Sitzen riss. Wecker und Wader zwei Stunden lang - kein Revival, sondern das pralle Leben.

Wecker in Höchstform: Immer noch schmettert er seinen ungebändigten Lebenshunger in die Welt, kostet die stillen Momente aus, um danach sofort wieder mit aller Macht der Emotion in die Pianotasten zu greifen. Seine geballte Melodie- und Wortgewalt steht mehr denn je im Zeichen des politischen und sozialen Engagements. Geblieben ist dabei der Spaß. Wecker rappt und scattet nicht ohne Selbstironie. Es fließt gut verträglicher Zeitgeist in Poesie, die für die Ewigkeit gemacht ist: "Leben ist Brückenschlag über Ströme, die vergehen."
Das Konzert war ein Brückenschlag von Süd- zu Norddeutsch, von Wecker zu Wader, von fulminant zu intim. Die Verbundenheit der beiden ist unverkennbar, die konzertante Symbiose eine spannende, die durchaus noch mehr Duett vertragen hätte.

Wader ist mit seinem Gitarrenpicking der Mann fürs Feine, Nachdenkliche, der eigentlich nicht in große Hallen passt. Für diesen Abend aber hat er sich auf Bekannteres, Flottes, Humorig-Hintergündiges und ein mitreißendes "Bella Ciao" entschieden. Dass Wecker und Wader in diesem Sinne wieder Hallen füllen, lässt hoffen. Dass am Ende des Abends Alt-Fans und Neuzugänge vereint eine Hymne an die Solidarität und Freundschaft intonierten, lässt schon fast wieder glauben.