Warum ich kein Patriot bin?

23.01.2017

Liebe Freunde,
das Schaulaufen der Nationalisten in Koblenz, diese für Frau Petry veranstaltete Kür der „Europäischen Nationalen Front“, deren sprachliches Vermögen auch hier in stupidem „Merkel- muss -weg - Gebrüll“ ihren traurigen Höhepunkt findet, hat mich zu folgendem Text veranlasst:

Warum ich kein Patriot bin?

Weil ich gut ohne Patria leben kann, 
ohne eine
in einen Nationalstaat gezwängte 
Heimat,
ohne Vaterland.
Weil die ganze Welt, ja das ganze Universum, 
meine Heimat ist 
und weil ich mich den Tieren fernster Kontinente 
manchmal näher fühle 
als gewissen Menschen meines Heimatlandes.
Weil ich da zu Hause bin, 
wo ich mir in der Stille selbst begegnen kann, 
wo herzliche und offene Menschen meinen Weg säumen, 
egal 
wo mich das Schicksal gerade hin verschlagen hat.
Weil mir mein Klavier heimatlicher ist 
als ein grenzbewehrtes, 
von Uniformierten bewachtes Land.
Weil ich meine von Kindheit erlernte Sprache 
überall hin mitnehmen kann 
und weil sie mich, 
selbst wenn ich nicht verstanden werde, 
immer versteht.
Ich bin kein Patriot,
weil Patriotismus ein erster Schritt ist 
zu Überheblichkeit und letztlich 
zu bewaffneten Auseinandersetzungen.
Weil gerade wir Deutschen doch gelernt haben sollten,
wie wichtig die Bewältigung 
und zwar die immerwährende Bewältigung 
der Schuld ist.
Einer Schuld, 
die aus Patriotismus und Nationalismus 
geboren wurde.
Die Welt darf nie aufhören 
über den Holocaust nachzudenken, 
denn er hat uns gezeigt, 
zu welchen Schreckenstaten wir Menschen fähig sind.
Es ist nicht vorbei, 
es schlummert ständig in uns allen.
Nationalismus ist eine lebensbedrohliche Seuche 
und der Patriotismus dasselbe 
in folkloristischem Gewand.
Ich bin kein Patriot, 
weil nur Idioten 
wieder diesem billigen Lockmittel 
verantwortungsloser Menschenfänger 
auf den Leim gehen.
Ich bin nicht stolz ein Deutscher zu sein, 
denn was kann ich schon dafür 
in dieses Land geboren worden zu sein. 
Was hab ich dafür getan?
Im Nationalismus liegt keine Freiheit, 
wie es uns die Parolen brüllenden Populisten der Rechten 
einreden wollen.
Der Nationalismus ist der Anfang vom Ende der Freiheit.
Mein Credo?
Kein Volk, kein Staat, kein Vaterland.
Freie Menschen brauchen keine Krücken, 
die aus geschichtsvergessener Dummheit 
geschnitzt sind.

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