Rede zum Bayerischen Staatspreis für Musik

16.05.2017

Als mich die Nachricht ereilte, dass ich für den Bayerischen Staatspreis für Musik nominiert sei, dachte ich mir: Die traun sich was.

Dem alten Anarcho und bekennenden Freund der Willkommenskultur einen Staatspreis verleihen - Donnerwetter.

Liegt´s am hohen Alter? Glaubt man vielleicht ich sei altersmilde geworden?

Ein paar wenige Begegnungen mit CSU Größen hatte ich ja….

Als Günter Beckstein, der mir trotz unserer gegensätzlichen politischen Vorstellungen sehr sympathisch war,  am 9. Oktober 2007 Ministerpräsident wurde, war ich zufällig auch im BR bei der Abendschau als Gast eingeladen. Herr Beckstein nahm mich in den Arm und erklärte - glückstrahlend wegen seines Wahlsieges - vor laufenden Kameras:

„ Der linke Wecker und der rechte Beckstein Arm in Arm - das ist Liberalitas Bavariae!“

2009 bekam ich den bayrischen Filmpreis für eine Filmmusik und ich erzählte in meiner Dankesrede diese Geschichte.

Daraufhin sagte etwas später Horst Seehofer zu mir: 

„Ich hätte wohl gesagt, der linke Wecker und der linke Seehofer.“

Ich war zugegebenermaßen etwas verwirrt. Und nun warte ich eigentlich darauf, dass Markus Söder nach der heutigen Veranstaltung zu mir sagt:

„Hey Wecker - wir alten Anarchisten müssen zusammen halten.“

Ich freue mich, dass sich die Musikerinnen und Musiker der Jury unter dem Vorsitz des von mir sehr geschätzten Dirigenten  Alexander Liebreich für mich entschieden haben - zusammen mit den anderen großartigen PreisträgerInnen - und fühle mich sehr geehrt.

Aber wir leben in politisch schwierigen Zeiten und deshalb möchte ich die Ehre meines Preises teilen.

Ich möchte sie teilen mit all den großartigen Musikerinnen und Musikern mit denen ich in den letzten Jahren musizieren durfte, Musikern, die - im Gegensatz zu mir - ihre Musik nur unter Einsatz ihres Lebens weiter tragen konnten.

Ich spreche von den geflüchteten Künstlern aus dem Irak, aus Afghanistan, aus Syrien, aus dem Iran und dem Libanon, aus den vielen afrikanischen Ländern, Künstler mit denen ich schon oft zusammen auf der Bühne stehen durfte und die mit ihrer Kultur uns alle  so sehr bereichern..

Ich habe mit Musikern aus Afghanistan gespielt, die vor der Grausamkeit der  jede Musik fürchtenden Taliban fliehen mussten und nun  verwundert zu hören bekommen, dass Afghanistan ein sicheres Land sei.

Bei Pro Asyl lesen wir:

„Die Liste der „sicheren Herkunftsstaaten wird immer länger. Mit der Sicherheits- und Menschenrechtslage in diesen Ländern hat das nichts zu tun. Das Konzept der „sicheren Herkunftsstaaten“ zielt darauf, Schutzsuchende aus diesen Ländern abzuschrecken und sie schnell abschieben zu können. Es folgt nicht menschenrechtlichen Tatsachen, sondern politischer Willkür.“

So viele Kollegen aus München, Hamburg, Stuttgart, Dresden und vielen anderen Städten protestieren gerade gegen diese Abschiebungen, die ihnen die Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten, entreissen.

Ich habe diesen Preis gerne angenommen, weil ich einen Appell an Sie alle richten möchte:

Denken Sie um - denken Sie mit dem Herzen!!

Beenden sie diese grausamen Abschiebungen in angeblich „sichere“ Länder,

beenden Sie die Abschiebungen nach Afghanistan.

Sie reißen damit Familien auseinander, Sie töten Menschen.

Ich jedenfalls werde nicht aufhören von einer grenzenlosen Welt zu träumen, in der die Poesie den Parolen weiterhin erbitterten Widerstand leisten wird.

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