... und ja: uns zu umarmen

19.08.2017

Liebe Freunde, 
in meinem jüngsten Lied „Den Parolen keine Chance“ schrieb ich:
Nein, ich hör nicht auf zu träumen
von der herrschaftsfreien Welt,
wo der Menschen Miteinander
unser Sein zusammenhält!
Und dieses Träumen war und ist und bleibt mein ganz persönliches „Prinzip Hoffnung“.
Ernst Bloch spricht von der Hoffnung als einer „konkreten Utopie“, er wollte zeigen, dass die Utopie keine Schimäre, sondern eine reale Möglichkeit ist. Und Erich Fromm schreibt: „Hoffen heißt, jeden Augenblick bereit sein für das, was noch nicht geboren ist, und trotzdem nicht verzweifeln, wenn es zu unseren Lebzeiten nicht zur Geburt kommt.“
Vermutlich lässt mich die Begegnung mit meinem Publikum weiter träumen und hoffen, dieses immer wieder aufs Neue Erleben-Dürfen, dass so viele warmherzige Menschen die gleiche Sehnsucht (nicht immer die gleiche Meinung!) haben wie ich. Ich könnte mir vorstellen, dass auch ich zum verzweifelten Zyniker werden könnte, wenn ich nicht durch meinen Beruf die große Chance hätte, mich mit so vielen Menschen austauschen zu können und ja: uns zu umarmen.
Als 17 jähriger glühender Bewunderer Henry Millers las ich bei ihm, der wahre Künstler habe gleichsam die Verpflichtung Anarchist zu sein. Und das hat mich bis heute geprägt.
Immer wieder musste ich mich rechtfertigen dafür, dass ich im Grunde meines Herzens ein Anarchist sei. 
Aber: der Traum von der herrschaftsfreien Gesellschaft ist keine starre Ideologie, das wäre ein Widerspruch in sich. Er ist schlicht und einfach geboren aus dem Gefühl, dass kein Mensch das Recht haben darf über andere zu herrschen, ihnen zu befehlen, sie zu knechten oder gar zu bedingungslosem Gehorsam zu zwingen.
„Wider den Gehorsam“ - eines der letzten Bücher des unvergessenen Arno Gruen, hat mir da noch einmal die Augen weit geöffnet.
Roland Rottenfußer, mein Freund und Koautor bei vielen Büchern und Texten - zuletzt auch bei meiner Biografie - schreibt:
„Wenn Politiker und Medien über „Anarchie“ schimpfen, sollten sie den Begriff wenigstens richtig gebrauchen. Ob G 20-Krawalle oder Fußball-Randale – das Gespenst der Anarchie geht um in Deutschland. Allerdings nur in den Köpfen von Politikern und den Leitartikeln ordnungsliebender Journalisten. Leider, könnte man hinzufügen. Denn so viel Gewalt, wie sie von Herrschaftsstrukturen und Hierarchien ausgeübt worden ist, könnten Anarchisten niemals zustande bringen.“
Rottenfußer ist außerdem Chefredakteur meines Magazins „Hinter den Schlagzeilen“ und ich würde mich freuen, wenn ihr diesen klugen Beitrag über Anarchie lesen würdet. Und vielleicht auch noch ein bisschen im Magazin blättern würdet - es ist seit vielen Jahren mit viel Herzblut gestaltet…
http://hinter-den-schlagzeilen.de/wer-ist-hier-chaotisch

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