Überlassen wir es nicht den Herrschenden, Sprache in ihrem Sinn zu prägen

15.11.2017

Liebe Freundinnen und Freunde,

dieses großartige Essay hat Götz Eisenberg für unsere Webseite "Hinter den Schlagzeilen" geschrieben. Er drückt vieles von dem aus, was ich auch mit meinem Lied „Ohne Warum“ sagen möchte: Wenn wir alles im Leben einem bestimmten Zweck und Ziel unterordnen wollen, erstickt alle Schönheit, die ja nur entstehen kann, wenn wir spielerisch im Augenblick verweilen. In unserer vom Ökonomismus beherrschten Gesellschaft geschieht alles nur "um...zu". Selbst Atempausen erlauben wir uns nur noch, um hinterher umso atemloser und effizienter im Beruf funktionieren zu können. Wo sich das Banale, Eindimensionale und Erkaltende zum Herrn der Welt aufschwingt, ist Poesie Widerstand. Und diesen poetischen, zärtlichen Widerstand sollten wir alle jetzt leisten – es ist höchste Zeit. "Die Herren pokern, ihre Welt friert unsere Herzen langsam ein" habe ich vor über dreißig Jahren geschrieben, und Götz Eisenberg hat das sehr schön herausgearbeitet in seinem Aufsatz, der zum Glück auch der Text eines naturliebenden Romantikers ist.

Überlassen wir es nicht den Herrschenden, Sprache in ihrem Sinn zu prägen. Worte sind Symbole, die auf eine dahinter liegende Realität verweisen, sie sind nicht selbst die Realität. Insofern ist Poesie auch Wort gewordener Anti-Dogmatismus. Weltliche und geistige Autoritäten, die darauf beharren, dass nur ihre eigene Interpretation gelten darf, vergewaltigen unseren Geist und engen ihn auf das für ihre Machtinteressen Nützliche ein. Daher führt Mehrdeutigkeit in eine Bewusstseinsweite, die befreit. Poesie gibt den oft missbrauchten Wörtern ihre ursprüngliche Frische und Anmut zurück: dem Wort "Liebe" z.B., das von unzähligen banalen Schlagern zu Tode besungen wurde. Wir dürfen dieses schöne Wort, dieses schöne Thema eben nicht der Volkstümlichen Hitparade überlassen, sondern müssen es den Banalisierern entreißen, um es uns wieder liebend anzueignen. Wiemein Freund und Liedermacher-Kollege Heinz Ratz es so schön ausdrückte: "Gegen das Starre – sprungbereit."

Hier der Link zum sehr lesenswerten Artikel von Götz Eisenberg:

http://hinter-den-schlagzeilen.de/das-fluestern-des-windes-im-schilf-oder-vom-nutzen-des-nutzlosen

 
 

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