Wir müssen nun zusammenhalten und zusammen widerstehen

15.04.2018

Liebe Freunde,

die größte Infamie des Neoliberalismus besteht darin, uns einzureden, alle derzeitigen Ungerechtigkeiten, die Ausbeutung und all die ökonomischen Verbrechen seien alternativlos. Quasi gottgegeben. Und wer sich querstellt, wird im harmlosen Fall als »naiver Träumer« diffamiert oder als »Terrorist« gebrandmarkt. Die Mächtigen halten mit eisernen Zangen an ihrer Macht fest. Sie wissen nichts von der Schönheit. Von der Schönheit des Mitgefühls für alles was lebt, verbunden zu sein, eins zu sein mit den Menschen und Tieren, Wäldern und Wiesen und Seen und Flüssen. Deshalb müssen sie alles zerstören, was ihnen von ihrem Ego getrennt erscheint.

Gegenkultur heißt nicht, gegen Kultur, sondern gegen die Kultur der Herrschenden zu sein. Gegen eine Kultur der Ablenkung, der Verniedlichung und der Zerstörung. Gegen eine Kultur, die uns das Wissen austreiben will, dass wir aufbegehren und die Welt verändern können.

In der »Dialektik der Aufklärung« von Adorno und Horkheimer lesen wir: »Die ursprüngliche Affinität aber von Geschäft und Amusement [der Kulturindustrie] zeigt sich in dessen eigenem Sinn: der Apologie der Gesellschaft. Vergnügtsein heißt Einverstandensein.« Wahrlich, wir leben in gefährlichen Zeiten. Die Rechtsextremen und Rassisten kriechen aus ihren Löchern, in denen sie sich lange verbergen mussten und geben unflätig laut. Plötzlich wird wieder angehört, was nie mehr ausgesprochen werden sollte. Was nie mehr ausgesprochen werden darf.

Wer, wenn nicht die Kunst, soll nun die Außenseiter, die Sanften, die Verrückten, die seitlich Umgeknickten beschützen, wenn nicht die Kunst? In einer Welt, deren einziges Ziel es zu sein scheint, sich hemmungslos und über alle Grenzen der Menschlichkeit hinweg materiell zu bereichern, in einer extrem sinnlosen Welt − da ja materielle Bereicherung kaum Sinn gebend sein kann − ist Poesie ein Anker und ein Wegweiser. Um es ganz deutlich zu sagen: Die Poesie ist anarchisch! Sie lässt sich nicht zwängen in ein ideologisch starres Gebäude, selbst wenn sie sich ab und an sogar darin wiederfindet. Die Poesie singt, weil sie ein Lied hat, nicht weil es gefällt. Poesie ist Widerstand. Kunst ist Widerstand, weil diese Sprache die Herrschenden nicht verstehen. Davor haben sie Angst: vor den Dichtern, den Träumern und Fantasten. Weshalb werden wohl in jeder Diktatur als erstes die Bücher verbrannt? Die Liebenden verbannt?

Wir müssen nun zusammenhalten und zusammen widerstehen. Ohne ideologische Kleinkriege. Mit dem Herzen denkend. Denn es kommt etwas auf uns zu, was nie wieder hätte aus dem Dunkel kriechen dürfen. Der Philosoph Franco Berardi schreibt: »Wir werden in den nächsten zehn Jahren eine identitäre Aggression erleben − ich verwende das Wort Faschismus nicht, aber ich denke, es ist etwas sehr Ähnliches.«

Um dem entgegenzuwirken, braucht es Melodie & Rhythmus! Dieses Gegenkultur-Magazin ist unverzichtbar in diesen Zeiten, in denen ganz bewusst die Stimmen unterdrückt werden, die im Sinne Brechts eine veränderbare Welt beschreiben und besingen wollen.

Jedes M&R-Abo ist ein Ausdruck des Widerstands!

http://www.melodieundrhythmus.com/

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