Wir müssen uns vorsehen und zusammenstehen

28.11.2015

Liebe Freunde,
die meisten von uns haben ein geheiztes Zimmer, eine Bettstatt, eine warme Decke und zu essen und zu trinken.
Wie kann man in diesen kalten Tagen nicht daran denken, wie es den hunderttausenden von heimatlosen Menschen an unseren Aussengrenzen jetzt wohl ergehen mag, die durchnässt und zitternd vor Angst auf ein wenig Zuneigung und christliche Nächstenliebe hoffen?
Wie kann man das abfackeln, was ihnen etwas Schutz bieten könnten?
In Hannover tagen gerade die Brandstifter von der AfD: Der Staat müsse das „Asylrecht beschränken“, die „nationale Identität“ schützen, heißt es da in einem Beschluss, und „wehrhaft und kraftvoll dem Entstehen von Parallelgesellschaften entgegentreten.“ Gefährliches, völkisches Gebrabbel von Menschen, die sich vermutlich Christen nennen und an Weihnachten von sich selbst entzückt fromme Lieder singen.
Liebe Freunde, wir müssen uns vorsehen und zusammenstehen, denn sonst wird man eines Tages, des bin ich mir sicher, mit Entsetzen auf eine barbarische Zeit zurückblicken. Eine Zeit, in der ein sogenanntes zivilisiertes und vermögendes Europa Millionen Hungernden und Frierenden, Gestrandeten, Geflüchteten, Gejagten und Versehrten, Verfolgten und Missbrauchten - darunter unzählige Kinder - die Tore verschlossen hat, sie in Käfige sperrte, hinter Stacheldraht verbarrikadierte, anstatt sie zu wärmen, zu betten und sie mit Geschenken und offenen Armen zu empfangen. Man wird berichten, dass es auch viele BürgerInnen gab, die sich helfend und mit viel Mitgefühl der Unmenschlichkeit widersetzen wollten, aber dass der Markt und seine ihm hörige Politik nichts anderes im Sinn hatte, als Gewalt mit Gewalt zu beantworten, neuen Terror zu züchten und sich am Elend der Ärmsten zu bereichern. Und man wird mit Schaudern erkennen, dass alle kulturellen Werte und Errungenschaften dieses Europas aus nackter Gier in den Wind geschossen wurden.
„Als zum ersten Mal das Wort »Friede« ausgesprochen wurde, entstand auf der Börse eine Panik. Sie schrien auf im Schmerz: „Wir haben verdient! Lasst uns den Krieg! Wir haben den Krieg verdient!“ 
(Karl Kraus)

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