Heißen wir die Flüchtlinge weiterhin willkommen.

28.10.2015

Liebe Freunde,
was sind das für Menschen, die Unterkünfte abfackeln, in denen arme und leidende Mitmenschen ohne zu erfrieren überwintern könnten? Sind sie als Kinder misshandelt und missbraucht wurden, hat man ihnen in Zuchtanstalten jeden Rest eigenen Empfindens und Selbstwertgefühls aus dem Herzen geprügelt? 
Sind das Monster oder ist das der „brave Mann von Nebenan“? 
Oder sind das, wie es oft heißt, nur ängstliche Menschen, die ihr karges Eigentum beschützen wollen?
Von allem wohl etwas, ängstlich, verunsichert, egoistisch, oft auch erbarmungslos, doch vor allem: manipulierbar! Menschen, die man aufhetzen kann, die sich gut als Kanonenfutter eignen im Kriegsfall, nach außen hin oft breitbeinig, im tiefsten Inneren unterwürfig, ergeben, gehorsam.
Meist sind die größten Krieger große Feiglinge, weil sie andere Meinungen nicht an sich ranlassen wollen. Lieber schlagen sie das Fremde, Ungewohnte tot.
Die meisten von uns haben schon erlebt, wie sich ein Leben von heute auf morgen, von einer Sekunde zur anderen ändern kann.
Man kann sich gegen das Neue, Fremde, Ungewohnte und Unausweichliche stemmen und daran ersticken, oder man kann es als Chance sehen.
Als Chance, über die von uns allen mit verschuldeten Ursachen endlich mal ehrlich nachzudenken, Fehler zuzugeben und zu korrigieren. Man kann sein erkaltetes Herz wieder als ein herzlich schlagendes entdecken, oder man kann, wie ein sich zu einem Popanz aufblähender bayrischer Ministerpräsident, Öl in ein schon loderndes Feuer gießen und dadurch die Verführbaren manipulieren.
Zum Zündeln motivieren.
Steven Vertovec, Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung multiethnischer Gesellschaften schreibt heute in der SZ:
„Wann immer von den Veränderungen nach der Wiedervereinigung vor 25 Jahren die Rede ist, ist es in Deutschland üblich, die Formulierung „seit der Wende“ zu gebrauchen. Die sozialen Entwicklungen, vor der Deutschland jetzt steht, sind von einer ähnlichen Größenordnung. Die Formulierung „seit der Flüchtlingskrise“ wird deshalb zu einer ebenso geläufigen Redewendung werden.“
Geschichte ändert sich. Umstände ändern sich.
Jahrzehnte lang haben wir gehofft, wir hätten mit denen da draußen nichts zu tun. Jetzt stehen sie vor der Tür. Nehmen wir sie an. Nehmen wir sie auf. Stellen wir uns endlich den Tatsachen.
Nehmen wir die Herausforderung doch lieber als Chance, uns mit dem Fremden, Anderen selbst neu zu erfinden.
Uns wiederzufinden in unserem Mitgefühl, unserer Bereitschaft zu lernen und unserer fast schon verschütteten Fähigkeit aufeinander zuzugehen, uns in den Arm zu nehmen.
Nie werde ich die Perversion verstehen, warum ein Mensch erst legal sein soll, wenn er ein Papier mit einem Stempel besitzt.
Kein Mensch ist illegal.
Heißen wir die Flüchtlinge weiterhin willkommen.

 

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