Es geht ums Tun und nicht ums Siegen

01.11.2015

Das Widerstehen wieder lernen!
Liebe Freunde,
die rechtspopulistische AFD erreicht den höchsten Umfragewert seit einem Jahr. 8 Prozent - sie profitiere von der Flüchtlingslage in Deutschland, heisst es.
Widerstand ist das Gebot der Stunde. Und Widerstand heißt eben auch aufstehen, sich wehren, aktiv sein.
In meinem Song „Revolution“ singe ich:
„…und drum müssen wir uns wieder neu erdenken
uns vernetzen, uns mit uns beschenken
nicht gewaltvoll, doch gewaltig an Ideen
ohne Führer, doch zusammenstehen…“
Ja, eine Revolution des Herzens, des Bewusstseins, eine Revolution der Liebe fordere ich in diesem Lied.
Aufmärsche, Galgen, Knüppel für Andersdenkende? Wie könnte ich mich für so einen anachronistischen Quatsch jemals begeistern?
Wir sind so sehr von der Kultur des Todes beeinflusst, von der Kultur des Unausweichlichen, des Kriegerischen - aber: dieses erbarmungslose System ist nicht das Ende der Fahnenstange, es ist nicht unausweichlich.
Man kann es ändern und wir werden es ändern.
„Wir haben Wissen, das keine Handlungskonsequenz besitzt und uns hilflos macht. Wissen ist uns nicht Macht, sondern vertiefte Ohnmacht.Wir benutzen unsere Erziehung nicht sinnvoll im Sinne einer Umkehr von dem als falsch erkannten Weg der Industriegesellschaften, sondern zu größerer Hoffnungslosigkeit. Das Widerstehen müssen wir erst lernen.“ schreibt Dorothee Sölle in ihrem großartigen Buch „Mystik und Widerstand“.
Sie erinnert an die Befreiung Südafrikas von der Geißel der Apartheid, was auch ein Erfolg der Anti-Apartheid-Bewegung in Ländern außerhalb Südafrikas war, unter anderem durch den gezielten Boykott südafrikanischer Waren.
Und heute sehe ich die Arbeit der vielen freiwilligen Flüchtlings - HelferInnen in und ausserhalb Deutschlands als Teil und vielleicht als Beginn dieser von mir besungenen und beschworenen Revolution. 
Denn diese, oft als Gutmenschen verhöhnten, aufrechten BürgerInnen halten der Politik den Spiegelvor. Sie zeigen was Politiker tun müssten, wären sie nicht gefangen in den Fesseln ökonomischer Zwänge.
Dieses gemeinsame Widerstehen einzelner, meist nicht vernetzt in festen Organisationen oder Parteien, verleiht die notwendige Stärke. um Ideen durchzusetzen.
„Ich halte diesen Schritt von der Ohnmacht zur Stärke der Schwachen für wichtiger als den anderen, den viele von uns immer wieder einüben, von der unbewussten, ahnungslosen, erduldeten Ohnmacht zur erkannten, analysierten, verzweifelten.“
Deshalb ist auch dieses tätige Mitgefühl so wichtig, wie es Franz von Assisi schon so eindrucksvoll beschrieb. 
Dieser „tätige“ Widerstand, der jedem wirklich bewusst denkenden Menschen in jeweils seinem Lebensbereich zur Pflicht werden müsste, ist ein „Bruch mit der bürgerlichen Halbheit, die unendlich reflektiert, ob die andere Seite nicht auch Recht habe; es ist ein Bruch mit der Gewalt, die so in mir lebt, dass ich mich ihr widerstandslos unterwerfe.“ (Sölle)
Aktiver Widerstand bereichert uns, weil wir damit auch diese Kluft in unserer Seele überwinden, die uns oft so lähmt, wenn wir erkennen, was man tun müsste, aber nicht den Mut haben es zu tun. Weil wir doch schon lange ahnen, dass es „kein richtiges Leben im Falschen gibt“. 
In diesem Sinne, liebe Freundinnen - es geht ums Tun und nicht ums Siegen.

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