Gefrorenes Licht

25.05.2015

Liebe Freunde,
dieses Lied habe ich nach einem langen Gespräch mit dem Physiker Hans- Peter Dürr geschrieben. Der für mich magische Nachmittag damals wird mir immer im Gedächtnis bleiben, denn Hans-Peter wollte einem Physik und vor allem auch Quantenphysik wirklich nahebringen. Als Laie steht man ja oft völlig verwirrt vor einer großen verschlossenen Tür, und selbst wenn sie sich einen Spalt öffnet, wartet dahinter eine Geheimsprache, die man vermutlich erst nach ein paar Jahren Studium entschlüsseln kann.
Hans-Peter war so voller Lebenslust, auch noch als er von seiner Krankheit gezeichnet war, und er liebte die Menschen und dachte nicht daran, sich hinter allzu gelehrten Hieroglyphen zu verstecken.
Und er fand, dass alle Menschen, auch die Nicht-Physiker, an der Schönheit der Physik teilhaben sollten.
An jenem Nachmittag lächelte er mich am Ende unseres Gesprächs an und meinte: „Konstantin, eigentlich ist Materie ja nichts anderes als gefrorenes Licht…“
Als ich das Lied nun im Januar für meine neue CD einspielte, meinte mein Produzent Flo Moser: „Irgendwas an diesem Lied erinnert mich an Hans-Peter Dürr.“
„Stimmt“, sagte ich, „darum ich hab es ihm auch gewidmet.“

Gefrorenes Licht (für Hans-Peter Dürr)

Wenn durch den Dom von sommergrünen Bäumen
die Lichter wie ein Segen niedergeh´n
und als Kristalle in den Zwischenräumen
von Laub und Ast und Himmel steh´n

da ahnst du, dass, was scheinbar fest gefügt
und uns sich als die Wirklichkeit erschließt
nichts als ein Bild ist, das sich selbst genügt,
durch das verträumt ein großer Atem fließt.
Du magst es greifen, du begreifst es nicht.
Was du auch siehst, ist nur gefror´nes Licht.

Wenn sich in solchen selt´nen Stunden
des Daseins Schönheit leise offenbart,
weil sich - sonst nie so leicht verbunden -
das Ahnen mit Erleben paart,

dann zög´re nicht, dich zu verwandeln,
nimm diese Stunde tief in dich hinein.
So aus der Zeit erübrigt sich das Handeln,
und in der Leere offenbart sich erst dein Sein.
Du magst es greifen, du begreifst es nicht.
Was du auch siehst, ist nur gefror´nes Licht.

Text und Musik: Konstantin Wecker
Ohne Warum – ab 19.6.2015 im Handel.
seit Freitag 23.4.2015 vorbestellbar.

P.S.:
Das Video erhebt bestimmt nicht den Anspruch ein Kunstwerk zu sein:)
Es sind ein paar leicht verwackelte Momentaufnahmen aus der Toscana und heute geh’n die Lichter halt mal wieder wie ein Segen nieder…
Und es ist nun mal nicht so einfach nur eine Tondatei auf Facebook zu stellen.
Für mich wenigstens nicht.
Ihr könnt beim Hören ja gerne die Augen zumachen…
https://www.youtube.com/watch?v=DwHtWLfQOMs

 

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