Dass alles so vergänglich ist

31.05.2015

„Die Vergänglichkeit ist die Grundeigenschaft unserer Existenz" – so lehrte es Buddha Gautama. Die Vergänglichkeit bildet eines der drei Daseinsmerkmale im Buddhismus Und obwohl unser Leben von stetem Wachstum und Verfall geprägt ist, beschäftigen wir uns doch recht wenig mit dem Phänomen der Unbeständigkeit und ignorieren gerne die eigentliche Natur dieser Eigenschaft. 
Man verkauft uns ewige Jugend, straffe Haut bis ins Rentenalter und wir lenken uns mit kostspieligen Sinnlosigkeiten ab, nur um zu verdrängen, dass wir endlich sind. Dass alles endlich ist.
Mit 20 war ich unsterblich. Na ja, ich fühlte mich wenigstens so. und ich versuchte lange, vielleicht sogar zu lange, dieses Gefühl zu bewahren. 
Genug war nie genug und mein Ego war mir heilig.
Das war richtig so, denke ich und ein natürliches Vorrecht der Jugend.
Aber in meinen Gedichten tauchte auch schon damals immer wieder der Tod auf.
Nicht, dass ich ihn dort willkommen geheißen hätte. Aber was sollte ich machen? Er drängte sich in mein hedonistisches Dasein, stichelte, ließ sich nicht ausradieren, mahnte mich in meinen Liedern.
Wie so oft hätte ich die Chance gehabt von meinen eigenen Texten zu lernen.
Meist hab ich das nicht genutzt.
Irgendwann zwingt einen dann das Alter, sich damit nicht nur im Gedicht auseinanderzusetzen.
„Die Gestalt der Welt vergeht; ich möchte mich nur noch mit dem Bleibenden beschäftigen“ - schreibt Goethe.
Ja, lieber, verehrter Meister, das würde ich gerne auch.
Aber wie geht das? Wie geht das nur, wenn einen diese Gestalt der Welt mit all seiner Schönheit und auch schrecklichen Vielgestalt, seiner Buntheit und Lebendigkeit, Verrücktheit und Zärtlichkeit noch so im Griff hat?
Einen verzauberten letzten Maitag wünsch ich euch!

Dass alles so vergänglich ist

Dass alles so vergänglich ist,
auch wenn es überschwänglich ist 
und scheinbar für die Ewigkeit, 
als gelte es für alle Zeit,

dass das dann doch wie nebenbei 
verpufft, entfernt aus der Kartei,
ein Leben wie ein Paukenschlag 
vergehen muss an einem Tag,

und in der letzten Stunde dann
nichts dir die Zeit anhalten kann,
auch keiner hat Gevatter Tod
wohl jemals mit Erfolg gedroht,

und doch, wenn ich so Bilder seh´
aus schöner Zeit, dann tut es weh,
dass sich nichts rüber nehmen lässt
in diese Welt des Hier und Jetzt,

dass die oft herrlich warme Zeit 
verlorener Vergangenheit
nicht mehr präsent ist wie zuvor.
Da steh ich nun, ich armer Tor

und würd´ mich gern an Weisheitslehren
berauschen oder gar verzehren.
Ich hab´ so gern gelebt und nun
macht es mir Angst, mich auszuruh´n.

Dass alles Schöne endlich ist
und oft nur das, was schändlich ist 
dir mahnend im Gedächtnis bleibt,
stets wiederkehrt und Unfug treibt,

und dass das Glück so flüchtig ist
doch das, wonach man süchtig ist
und an das Schreckliche gemahnt, 
im Rad des Werdens fest verzahnt,

es gibt Geläuterte, die meinen,
man würd´ sich dann mit sich vereinen
und selig in den Himmel schweben,
jedoch verzeiht mir - ich will leben.

Zum Leben ward ich doch geboren,
dem Leben hab´ ich mich verschworen,
und ach, des Todes Possenspiel
scheint mir noch nicht das rechte Ziel!

Ich ahn’s, jetzt wär´ es an der Zeit
für Wunsch- und Körperlosigkeit.
Erleuchtung ist jetzt das Gebot,
sie hebt dich fort aus deiner Not,

und ja, ich hab´ es auch studiert,
mit Inbrunst selbstlos meditiert,
und fühl´ mich manchmal auch ganz klug,
doch kenn´ ich auch den Selbstbetrug.

Drum nehmt zum Schluss die Botschaft hin:
Ich scheine weiser als ich bin. 
Erleuchtung ist mir noch so fern:
Ich lebe einfach schrecklich gern!

Text und Musik: Konstantin Wecker

 

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