Eine aussterbende Art

09.05.2015

Liebe Freunde,

heute hat die Zeitung mit den vier Buchstaben auf ihrer ersten und auf der zweiten Seite eine ungeheure Verfehlung des Chefs der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)aufgedeckt:
„Weselsky drängelte auf der Autobahn mit Lichthupe“.
Das ist, wie meistens bei diesem Blatt, investigativer Journalismus auf höchstem Niveau und hat natürlich nichts damit zu tun, dass Weselksky nichts geringeres auf sich nimmt, als für den Erhalt des Rechts auf Streik zu kämpfen.
Heute, auf der Fahrt zum Konzert in Ettlingen, hatte ich mindestens 10 mal Herrn Weselsky hinter mir. Er fuhr zur Tarnung verschiedene Modelle und wechselte die Nummernschilder.
Aber er muss es gewesen sein. Wer drängelt und lichthupt denn sonst schon auf der Autobahn.
Ach ja, wer es auf sich nimmt, den Beitrag ganz zu lesen , wird kleingedruckt erfahren, dass die Verfehlung des Gewerkschafters im Juli letzten Jahres stattfand.
Auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft erfährt man, dass das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wurde.
Wenn das kein Grund für eine Schlagzeile ist….
Zur Info: der Wirtschaftsflügel der CDU möchte die Gelegenheit nutzen, das Streikrecht grundsätzlich einzuschränken.
Da trifft es sich doch gut, wenn man Kampfblätter zur Verfügung hat, um sie auf die Gegner loszulassen.
Wie schreibt Jakob Augstein so treffend:
„Claus Weselsky ist Relikt einer vergangenen Zeit. Als die Arbeitnehmer noch den Mut hatten, für ihre Interessen zu kämpfen. Im Museum der Arbeit in Hamburg sollte es einen Weselsky-Raum geben. Der unbeugsame Gewerkschafter. Eine aussterbende Art.“

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