Ein Gedicht von Georg Heym

19.05.2015

Georg Heym ist am 30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien geboren und am 16. Januar 1912 in Berlin gestorben.
Er verunglückte beim Schlittschuhlaufen auf der Havel tödlich, als er seinen eingebrochenen und ertrinkenden Freund retten wollte.
Trotz seines kurzen Lebens gilt Heym heute als einer der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache und Wegbereiter des literarischen Expressionismus.
Ich habe die Gedichte des jungen Mannes immer bewundert.
Als ich gerade mal 14 Jahre alt war, hat ich mich seine bilderstarke, geradezu ekstatische Ausdruckskraft begeistert und zum Schreiben angeregt.
Vor kurzem habe ich sein Gedicht „Der Krieg“ hier gepostet und mir erlaubt , einige Strophen aus eigener Feder hinzuzufügen. Dieses Gedicht stammt aus dem Jahr 1911 und setzt sich drei Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges geradezu visionär mit dem Thema Krieg auseinander.
Hier nun ein zartes und schlichtes Gedicht des Lyrikers, das mich gerade in diesen Frühlingstagen besonders erwärmt:

Alle Landschaften haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Blaue Länder der Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern, und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.

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