Es kann legitim sein, was nicht legal ist

20.05.2015

Liebe Freunde,
ich hatte mehrmals das große Glück, Martin Löwenberg, dem ehemaligen KZ-Häftling und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, auf mehreren Demonstrationen und auch privat zu begegnen.
Ein liebenswerter und aufrechter Mann, der unbeugsam für die Demokratie kämpft und mir jedes Mal Mut machte, nicht aufzugeben.
Löwenberg, dessen jüdische Verwandte zum Großteil in Vernichtungslagern ermordet wurden, rief bei einer antifaschistischen Kundgebung am Münchner Odeonsplatz „es ist legitim, ja legal, sich den Totengräbern der Demokratie entgegenzustellen“ und wurde daraufhin angeklagt.
Das Urteil löste zu Recht einen Proteststurm aus und ich kann ich mich noch gut daran erinnern, wie Dieter Hildebrandt das Urteil in seinem letzten Scheibenwischer auf seine unvergleichliche Art thematisierte.
Meine Freunde Petra Gerschner und Michael Backmund haben einen beeindruckenden Film über sein Leben gemacht: “Es kann legitim sein, was nicht legal ist: Martin Löwenberg – ein Leben gegen Faschismus, Unterdrückung und Krieg“.
Gerade erst hatte Indonesiens Regierung ihren Fischern streng verboten, Bootsflüchtlingen auf See zu helfen. Doch die Angesprochenen ignorieren die Anordnung: Am Mittwoch haben Fischer mehr als 370 Menschen von mehreren Booten gerettet. Ich möchte diesen Fischern danken.
Sie sind die wirklich wichtigen Menschen unserer Zeit, nicht die Wichtigtuer, die sich bald im Luxushotel Elmau breit machen werden. Diese Fischer zeigen uns, dass Mitgefühl wichtiger ist als mitleidslose Gesetze.
Dass man dafür, wenn es sein muss, auch Gesetze brechen muss.
„Es kann legitim sein, was nicht legal ist“ -wir sollten uns diesen Aufruf des unerschrockenen Martin Löwenberg tief ins Herz schreiben.

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