Was für ein wunderschönes Bild das doch wäre

22.05.2015

In Südostasien treiben laut UN-Schätzungen noch mehr als 3000 Bootsflüchtlinge vor den Küsten.
Im Schloss Elmau hingegen, einem Fünf-Sterne-Hotel im wunderschönen Wettersteingebirge, bereitet man sich auf die politischen Eliten der sogenannten „Gruppe der Sieben“ vor.
Da brutzelt es wohl schon in den Pfannen der Sterneküchen, während draußen eine 8 Kilometer lange Sicherheitszone errichtet wird.
17 000 Polizisten werden im Einsatz sein, der Bund zahlt 80 Millionen, der Freistaat Bayern 130 Millionen.
Auf dass die Speisen der Bewachten noch erlesener seien!
Die einen wollen sehnlichst an Land, treiben unter erbärmlichsten Bedingungen auf hoher See und wünschen sich nichts als ein warmes Lager, etwas zu essen und menschliche Wärme.
Die anderen wollen nicht raus aus ihrer Luxusenklave, denn da warten Tausende von Menschen mit kritischen Fragen.
Drinnen geht es um edle Themen, wie es uns gestern das Fernsehen erklären wollte: Internationaler Klimaschutz, Stärkung der Frauenrechte, Antibiotikaresistenzen.
Man wird schon gewusst haben in den Redaktionen warum die eigentlichen Themen TTIP sowie Kriegs-, Sicherheits- und Flüchtlingspolitik nicht erwähnt wurden.
Über 50 Millionen Kinder, Frauen und Männer sind weltweit auf der Flucht. Hungernd und ohne Dach überm Kopf.
In Bayern lässt man es sich über 250 Millionen kosten, die selbsternannten Weltbestimmer zu beschützen und zu bewirten.
Was hat das miteinander zu tun, werden jetzt manche fragen, Thema verfehlt, Herr Wecker!
Nun - könnte man hohe Politik nicht auch weniger protzig, eitel und kostspielig betreiben?
Die Gegner des Gipfels campieren unter freiem Himmel, haben das größere Herz und die besseren Argumente.
Vielleicht sollte man sie einmal ins Schloss bitten und die Politiker campen lassen?
Vielleicht fällt dem einen oder anderen dann mal auf, was er alles falsch gemacht haben könnte? Wie man sich verrannt hat in ein Universum der großkotzigen Gleichgültigkeit, in dem kritische Demokraten nichts anderes sind als lästige Läuse, die man sich mit Hilfe von 17000 Polizisten vom Pelzmantel verjagen lässt.
Was für ein wunderschönes Bild das doch wäre: Volksvertreter auf Augenhöhe mit denen, die sie angeblich vertreten.
Manchmal sieht es nur leider so aus, als würden sie uns nicht vertreten, sondern lieber von Sicherheitsbeamten treten lassen….
P.S.:
Ein neues, journalistisches Datenbankprojekt schätzt laut pro Asyl die Zahl der Todesopfer des europäischen Grenzregimes auf mindestens 23 000 seit dem Jahr 2000.
Das Massensterben der Flüchtlinge an Europas Außengrenzen ist kein Unglück, sondern das direkte Ergebnis europäischer Politik.
Wünsche wohl zu speisen im Schlosshotel Elmau!

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