Wider den Terrorismus

28.03.2015

Liebe Freunde,
der 91-jährige und immer noch unermüdliche Psychologe Arno Gruen hat wieder ein Buch geschrieben: „Wider den Terrorismus“.
Dieses kleine Buch des großen Mannes müsste Pflichtlektüre werden für all jene, die immer noch meinen, Terrorismus könne nur mit Terror bekämpft werden.
„Solche Menschen sind die Spiegelbilder derjenigen, die uns durch Terrorakte in Angst und Schrecken versetzen. Auch sie brauchen Feindbilder, um ihr eigenes Persönlichkeitsgefüge aufrechtzuerhalten. Das Ergebnis ist ein sich durch immer mehr Gewalt aufschaukelnder Prozess, der nur in einer Apokalypse enden kann.“ schreibt Arno Gruen in seinem knapp 80-seitigen Buch.
Nun - gegen Terrorismus ist wohl jeder, könnte man antworten. Aber kaum jemand geht so klug und fundiert an die Wurzeln des Übels, wie der weise Psychologe.
Es geht ihm darum, die wahren Ursachen dieser Krankheit der Gewalttätigkeit und Todessucht zu durchschauen. Die Krankheit derer, denen das Leben so wenig bedeutet, dass ihnen der Tod attraktiver erscheint.
Den Gewalttätigen fehlt es an Ganzheitlichkeit. Sie können innere Konflikte nur außerhalb ihrer selbst lokalisieren. Ihre Ängste und Hassgefühle bekommen sie nur in den Griff, indem sie sie auf äußere »Feinde« projizieren. Indem sie andere töten, projizieren sie diesen Selbsthass.
Sie inszenieren ihr eigenes Leben wie ein Heldenepos, weil dies die unpersönlichste Form des Handelns ist, schrieb Robert Musil einmal.
Wir werden dem Terrorismus nur Einhalt gebieten können, wenn wir den Terroristen verstehen lernen und seine Unfähigkeit mit dem Leben klar zu kommen.
Hinter der Pathologie der Macho- Männlichkeit verbergen sich kindliche Ohnmachtsgefühle und der innere Terror, der mit den erziehenden Autoritäten erlebt wurde.
„Dort, wo die frühe Kindheit in besonders starkem Ausmaß als terrorisierend erlebt wurde, führt die alte Ohnmacht zu grandiosen Machtphantasien und einer erbarmungslos destruktiven Gewalt".
Die so wichtige und entscheidende Erkenntnis dieses Buches ist meines Erachtens, dass die wahre Motivation des Islamischen Staates (IS) und der Taliban-Krieger, in dem Glauben an eine übergroße Macht ihren einzigen Halt finden. Dieser gibt ihrem Leben eine Bedeutung und schafft zugleich die Möglichkeit, Frauen zu verachten und zu entwürdigen.
„Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass die Auslöser, die das innere Opfer als Quelle der tödlichen Gewalt wecken, jene gesellschaftlichen und ökonomischen Prozesse sind, die Menschen ihre Würde und persönliche Bedeutung nehmen. Der eigentliche Feind, den wir bekämpfen müssen und bekämpfen können, ist die Zerstörung gesellschaftlicher Zusammenhänge durch ein wirtschaftliches Primat, das sich ausschließlich an Profit und Wettbewerb orientiert“.
Das reichste Prozent der Weltbevölkerung wird einem Oxfam-Bericht zufolge 2016 mehr Vermögen angehäuft haben, als die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen.
Wer angesichts dieser Zahlen immer noch glaubt, dass dieses kapitalistische System reformierbar sei, gerechter und menschlicher werden könnte, der verschließt sich aus Angst oder Überheblichkeit jeder Vernunft.
Gewalt und Krieg sind unverzichtbare Bestandteile dieses Systems.
Es ist an der Zeit umzudenken, neue und mitfühlendere und dadurch gerechtere Formen des Zusammenlebens zu entdecken und zu leben.
Gruen schreibt: „Das schlafende innere Opfer der Benachteiligten wird nach und nach erwachen und damit auch seine Bereitschaft zu destruktiver Gewalt…..Langfristig gibt es nur einen Weg, der aus der Misere führt und eine wirkliche Veränderung bedeutet: Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder so aufwachsen, dass ein inneres Opfersein gar nicht erst entsteht.“
Man würde sich wünschen, dass nicht nur Arno Gruen, dieser große alte Mann, noch den Mut hat, diese entscheidendenZusammenhänge endlich mal offen auszusprechen.
Aus der Säuglingsforschung wissen wir, dass ein Kind, das ohne Liebe und Zuwendung ist, sterben kann.Solche Menschen halten es, wenn sie erwachsen werden, immer mehr für notwendig, Feinde zu finden, um den inneren, abgewiesenen Teil ausserhalb von sich selbst zu finden, um ihn zu bestrafen und auch zu töten.
Wie Michel de Montaigne es schon im 16. Jahrhundert bemerkte, können solche Menschen
„nicht für andere leben und deswegen auch kaum für sich selber“.
Wider den Terrorismus - ein wirklich notwendiges Buch, das aufklärt und Lösungen aufzeigt.
Unbedingt empfehlenswert.
http://www.klett-cotta.de/…/_Po…/Wider_den_Terrorismus/58898

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