In memoriam Günter Grass

13.04.2015

Liebe Freunde,
man kann sich dieses Land ohne ihn schwer vorstellen.
Ohne diesen großartigen Geschichtenerzähler, wortgewaltigen Einmischer, stets streitbaren Mahner.
Ob gegen die Notstandsgesetze, den Nato-Doppelbeschluss oder die Art der deutschen Wiedervereinigung - er hat die bundesdeutsche Protestkultur geprägt wie kein Anderer.
Für uns alle war es so ermutigend, ihn auf unserer Seite zu wissen.
Für ihn war die „Wahrheit nur im Plural“ zu ertragen, das habe ihn die Literatur gelehrt, so „wie es ja auch nicht nur eine Wirklichkeit, sondern eine Vielzahl von Wirklichkeiten gibt“.
Wer ist noch so mutig wie dieser wortreiche Dichter, wer hat noch den Mumm seinen Gegnern öffentlich immer wieder die Stirn zu bieten?
Er hat uns alle auch literarisch geprägt. Ob man seinen Stil liebt oder nicht, man kam und kommt nicht an ihm vorbei.
Seine zahlreichen Gegner, die sich gerade in den letzten Jahren über ihn hermachten, weil er ihnen nicht, wie so viele andere, nach dem Mund redete, loben ihn jetzt.
Wer zwischen den Zeilen zu lesen gewohnt ist, erahnt in ihrem Lob die Erleichterung über das Verklingen dieser gewaltigen Stimme.
Er wird in diesen Zeiten intellektueller Gleichgültigkeit schrecklich fehlen.
"Bild" nannte Grass einmal den "Dichter mit der Dreckschleuder“.
In der Psychoanalyse gibt es ein treffendes Wort dafür:
Projektion.

zurück