Ich schweige

24.01.2015

Liebe Freunde!
Ich habe jetzt längere Zeit geschwiegen, weil mich eine große Spachlosigkeit befallen hat angesichts einer Entwicklung, die gegen all das geht, wofür ich ein Leben lang eingetreten bin.
Ich habe auch geschwiegen, weil ich mich dagegen wehre, immer sofort und abrufbar eine Meinung haben zu müssen.
Manchmal geht das bei mir. Manchmal eben nicht.
Andere waren sehr gesprächig. Viele, um ihr Entsetzen auszudrücken oder ihre Anteilnahme. Ich habe ausgezeichnete Beiträge gelesen, im Netz und in der Presse.
Viele waren in diesen Tagen auch gesprächig, um dieses oder jenes Süppchen zu wärmen an den Totenfeuern zu Paris.
Vor allem diejenigen, die diesem Dresdner Möchtegern-Hitler so begeistert zugejubelt haben.
Da habe ich auch lieber geschwiegen.
Und auch jetzt noch widerstrebt es mir, meine Stimme in die Kakophonie einer streiterfüllten sogenannten Debatte zu mengen.
Ich menge erst mal lieber mein Schweigen darein.
Ich schweige, weil es ganz offensichtlich so nicht weitergehen kann.
Ich schweige auch, weil aufrichtige Trauer etwas sehr Leises und Inniges ist; weil wütende Forderungen und Schuldzuweisungen keine gute Art sind, einen solchen Schock zu verarbeiten.
Und ich schweige, weil ich nicht vereinnahmt werden möchte mit meiner Trauer. Ich will meine persönlichen Gefühle nicht einspannen lassen für eine kollektive Inszenierung, in der ich dann Seite an Seite lande mit Leuten, deren Machenschaften ich von ganzem Herzen ablehne.
Ich werde mir vielleicht noch ein bisschen Zeit lassen.
Und danach werde ich sprechen und handeln, wie ich es seit jeher tue.
Spätestens am 7.2. bei der Demo gegen die Sicherheitskonferenz in München.
Zur Zeit bin ich mit meinen Freunden Jo, Flo, Fany, Wolfgang, Jens, Cynthia, dem Prinzen, den Spring Strings und vielen anderen Wegbegleitern im Studio.
Für ein liebevolles Miteinander unter den Menschen.
Für eine friedliche, gerechte Welt.
Für den Weg der Gewaltlosigkeit.
Trotz alledem.
Und überzeugter denn je, dass dies der einzige Weg ist.
P.S:
Dieses Video von Kollegen aus dem Elsaß rund um Roger Siffer nach den Morden bei “Charlie Hebdo” hat mich sehr angerührt.

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