Ungehorsam ist gefragt.

06.02.2015

Liebe Freunde,
„es geht ums Tun und nicht ums Siegen“, habe ich in meinem Lied über die weiße Rose vor 30 Jahren geschrieben und mir ist durchaus bewusst, dass ich mit meiner pazifistischen Einstellung nicht siegen werde. Jedenfalls werde ich eine von der Geißel des Krieges befreite Welt nicht mehr erleben und kann das nur für künftige Generationen erhoffen.
In der Präambel der Charta der Vereinten Nationen heißt es:
„Wir, die Völker der Vereinten Nationen sind fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat….“
Welcher unserer Volksvertreter hat wohl diesen - aus unsäglichem Leid geborenen - Aufschrei der Vereinten Nationen noch im Gedächtnis, geschweige denn verinnerlicht?
PazifistInnen wurden und werden gerne verlacht, verspottet, beschimpft und beleidigt. Ich erlebte und erlebe das immer wieder und zur Zeit vermehrt.
Man wirft uns Naivität vor.
Na und, lieber naiv als korrupt. Lieber sehe ich die Welt mit Kinderaugen, als mit den verblendeten Augen der Macht und der Gier.
Wir seien feige, wir seien Weicheier. Fragt sich, wie tapfer und harteiig es ist, anstatt selbst in den Krieg zu ziehen, andere junge Frauen und Männer für das eigene Wohlbefinden auf das Schlachtfeld zu schicken. Wie schrieb Erich Maria Remarque so treffend: „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hineingehen müssen.“
Sollen all die harten Männer doch spotten und schimpfen. Mein sanfter Vater hatte unter der Schreckensherrschaft Hitlers den Kriegsdienst verweigert. Ich bin es seinem Andenken schuldig, nicht aufzugeben.
„Der Krieg ist Wahnsinn“ rief Papst Franziskus während einer Messe an der italienischen Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Fogliano Redipuglia vor 100 000 Menschen aus. Mit einer vehementen Anklage gegen Waffenhändler und Kriegshetzer gedachte der Pontifex der Toten aller Kriege. Und er zog Parallelen zu jener Epoche, deren (trauriges) Jubiläum wir 2014 feierten. Wie 1914, entstünden auch heute Kriege durch geopolitische Pläne, Geldgier, Machthunger und die Interessen der Waffenindustrie. „Die Geschäftemacher des Krieges verdienen damit viel Geld und haben durch ein verdorbenes Herz das Weinen darüber verloren“, sagte Franziskus, der mir immer mehr aus dem Herzen spricht.
Ich werde am Samstag in München aus denselben Gründen wie seit vielen Jahren demonstrieren:
Ich möchte nicht, dass die Stimme des Pazifismus verlorengeht in einer Zeit des erneuten Säbelrasselns.
Ich verstehe mich auch nicht einfach nur als „friedensbewegt“ - so bezeichnen sich ja mittlerweile fast alle auch noch so kriegsbereiten Politiker, sondern selbst Waffenhändler, die mit ihren Mordinstrumenten angeblich immer nur Frieden und Sicherheit schaffen wollen - nein, ich bin radikaler: Ich bin Pazifist und Romantiker, Träumer und Barde und ich glaube weiter an die Kraft der gewaltfreien Veränderung. Ungehorsam ist gefragt. Wir sollten Schulen des Ungehorsams gründen, um ein Gegengewicht gegen die die Seele deformierenden Gehorsamsschulen des Militärs zu schaffen. Zuallererst müssen wir PazifistInnen uns gegen die Nebelkerzen wehren, mit denen wir täglich beschossen werden. Aber, wenn sich der Nebel endlich gelichtet hat, sind wir dann auch bereit, aufzustehen? Was wäre, wenn der Friede kein Wunder bräuchte, sondern eine Revolution?

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